Blumen

Die Schönheit der Blumen sollte – zeitgemäß – eine Hyper-Schönheit sein.

Deshalb habe ich meine Blumen“ aus mehreren eigenen Fotos digital übereinander collagiert.

Es ist klar, dass es mir somit nicht um eine botanische Exaktheit geht, sondern um das „Blumenhafte“. Damit meine ich jene „unbeschreibliche reale Präsenz“, wie es Georges Bataille ausdrückt[1], die wir auch mit den emblematischen Bedeutungen der Blumen, wie in Gemälden des Mittelalters und der Renaissance, kaum adäquat erfassen können.

Die Blume hat entsprechend ihrer Funktion allgemein die Bedeutung der Liebe. „Die Menschen hätten die Pracht der Blumen mit ihren Gefühlen verglichen, weil es sich auf beiden Seiten um Phänomene handelt, die der Befruchtung vorausgingen.“[2]

Doch die eigentliche Bedeutung der Blumen liegt, laut Bataille, in ihrer Gestalt und in ihrem Duft. Letzterer ist eine Eigenschaft, die das Bild nicht leisten kann, es sei denn, man imprägnierte es, wie manchmal die Werbeseiten für bestimmte Parfüms in Modezeitschriften mit den jeweiligen Düften…

Diese Assoziation der „aphrodisischen Wirkkräfte“ führt uns laut Bataille zu der „seit Jahrhunderten naturgemäßen Wahrheit“ der Blumen, nämlich der der idealen Schönheit. Doch am Beispiel der schnell welkenden Blütenkrone entfaltet Bataille die Dialektik der Schönheit. „Durch den behaarten Schandfleck der Geschlechtsorgane entstellt“, scheinen die Blumen weniger dem Ideal der reinen Schönheit und der Ideen zu entsprechen als deren Bankrott. So können wir „kaum die tragikomischen Kontraste überschätzen diese unaufhörlichen Todesdramas jener Banalität, dass die Liebe den Geruch des Todes hat“.

Ist nicht dieser Geruch des Todes der ganzen belebten Natur um uns eingeschrieben?

Und sind wir nicht selbst Natur?

 


[1] Georges Bataille, Die Sprache der Blumen, in: Theodor Lessing, Blumen, Berlin 2004, S. 27

[2] A.a.O. S. 229

Heribert Heere

MALER  COLLAGIST  ESSAYIST