COLLAGEN I

Die COLLAGE ist das wichtigste Grundprinzip meiner Arbeit. Was Baudrillard als „universelle Vermischung“, als „Deregulierung“ und als „Öffnung ins Unendliche“ bezeichnet[1], ist bei mir die Struktur der Bedeutung. Wie viele bedeutende Kulturkritiker erkennt auch Baudrillard scharfsinniger als meist die Apologeten kritische Formen. Es ginge allerdings darum, diese Negation ins Positive bzw. Seiende zu transponieren. So würde ich nicht vom "Tod der Fotografie" sprechen, sondern von einer neuen Herausforderung durch die Digitalisierung der Medien.

So gewinnen meine Arbeiten zu ARCADIA , FANTASY (Gemälde) und FANTASY (Aquarelle) eine neue Bedeutung.

 

Von der Struktur her lassen sich meine Arbeiten als TRANSPARENZEN bezeichnen.

„Transparenz“ hat heute sowohl eine positive wie auch eine negative Bedeutung. Es gibt wohl keinen Bereich von Öffentlichkeit, der heute nicht transparent sein muss, während das Gegenteil, die Intransparenz, gemeinhin schon als verdächtig gilt. Andererseits will niemand eine Art gläserner Mensch sein. Das Recht auf Datenschutz wird ganz hoch eingestuft und darf inzwischen nur auf höchstrichterliche Entscheidung eingeschränkt werden. Alles soll offen sein, die Grenzen, die Märkte, die Kunst etc.,nur wir selbst wollen zu recht wenn nicht verschlossen, so doch opak bleiben. Dies korrespondiert – zumindest im Westen – mit einer säkularen und profanen Gesellschaft, die die klassischen Transzendenzen wie Religion, metaphysische Philosophie und eine darauf fundierten Kunst entweder abgeschafft oder als Sonderbereiche führt bzw. sie sich einverleibt hat. Wie aber, wenn innerhalb der allgegenwärtigen Transparenzen Transzendenzphänomene durchscheinen? 

 

[1] Das gleiche Problem stellt sich beim Foto dar, wenn man es zu multimediatisieren bestrebt ist, indem man sämtliche Mittel der Montage, der Collage, des Digitalen, der Computergenerierung et cetera auf es appliziert. Diese Öffnung ins Unendliche, diese Deregulierung ist buchstäblich der Tod der Fotografie durch ihre Erhebung ins Stadium der Performanz.

Baudrillard, Die Intelligenz des Bösen, S. 95