In diesem Themenschwerpunkt entsteht durch die Überlagerung von Bildern aktueller Werbung mit Motiven der religiösen Malerei des Mittelalters und der Renaissance wie auch des indischen Pop-Götterhimmels sowohl eine Interdependenz in Richtung von der Religion zur Werbung wie auch von der Werbung zur Religion. 

Dass es substantielle Verwandtschaften zwischen der Sphäre der Religion und der des Kapitalismus gibt, zeigt Walter Benjamin in einem Fragment mit dem Titel „Kapitalismus als Religion“. Das Christentum, so seine These, hat sich in den Kapitalismus umgewandelt, weil dieser schon immer „parasitär“ im Christentum eingelagert gewesen sei bzw. in interner Verbindung mit ihm stehe. Die Geschichte des Christentums sei die des Kapitalismus. Kapitalismus sei also nicht nur Gegenreligion, sondern befinde sich hinsichtlich Herkunft und Geltung in innerer Wahlverwandtschaft mit dem Christentum.

Jean Baudrillard hat in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts ein metaphorisches Stichwort gegeben, das die Sphäre des Konsums in ein quasi religiöses Reich hob: Was wir heute erleben, sei eine „weiße Messe“ ohne Kirche oder Heilsökonomie, aber mit der stets aufflackernden Hoffnung auf das magische Glück beim Kauf des nächsten begehrten Objekts. 

Heribert Heere

KÜNSTLER