Was du erstrebst, ist nirgends; was du liebst, wirst du verlieren, sobald du dich abwendest. Was du siehst, ist nur Schatten, nur Spiegelbild.

 

Ovid

 

Einer, dem die Schönheitssuche nicht gut bekommen ist, dessen Geschichte aber seit 2000 Jahren die kreative Einbildungskraft anregt, ist Narziss. Wie uns Ovid in seinen Metamorphosen berichtet, verweigerte er sich jeglicher Kommunikation und vertiefte sich so intensiv in sein Spiegelbild „auf silberglänzendem Wasser eines klaren Quells“, dass er schließlich daran zugrunde geht, nicht ohne einer bestimmten Sorte Frühlingsblumen, die wir sehr schätzen, seinen Namen zu hinterlassen. Nur die Nymphe Echo durfte sich ihm zu Lebzeiten nähern. Allerdings konnte sie keinen Dialog führen, sondern musste immer die letzten Worte der Sätze, die Narziss sprach, wiederholen.