Cover-Up

Zu Heribert Heeres übermalten Buchumschlägen

Pravu Mazumdar

 

Was verbindet einen Gott mit einem Tor und einem Buchumschlag? „Der Gott von Delphi“, sagt Heraklit, „spricht nicht und verbirgt nicht, sondern gibt Zeichen.“ Diese Eigenart, im Unterschied zu einem Wort nicht zu sprechen und im Unterschied zu einem Bild nicht zu verbergen, sondern nur zu zeigen, dass etwas da ist, ist typisch für alle Oberflächen, wenn sie als Tor zu tieferen Wahrheiten funktionieren. Ist aber die Oberfläche einmal durchstoßen, so erscheint die angezeigte Wahrheit nur noch als eine zweite Oberfläche unterhalb der ersten. Diesen Vorgang kennt jeder, der jemals ein Buch aufgeschlagen hat, um von der Oberfläche des Covers zur Tiefe des Wortes durchzudringen.

In seiner Serie Cover Ups entdeckt Heribert Heere den Buchumschlag als Bühne für dieses alte Spiel zwischen Oberfläche und Tiefe. Durch gezielte malerische Eingriffe verwandelt er die Pragmatik des Covers – dessen Form, Farbe, Informationsgehalt auf die Wörter des Buches und damit das Segment eines Diskurses zu verweisen hat – in ein Bild, bei dem wir innehalten. In einem letzten Akt flattert das Bild, kraft seiner Materialität als Cover, vom angezeigten Buch/Diskurs fort und nimmt seinen Platz an der Wand, von der es wie ein Spiegel unserer eigenen Diskurse in uns hereinblickt.    

Heribert Heere

MALER  COLLAGIST  ESSAYIST