Triumph des Pan

BOOOM; 2020, Öl auf Leinwand, 70 x 100 cm

 

Das gemalte BOOOM sowie eine gelbrot lodernde Flamme verstärkt den Eindruck des Katastrophischen, das in einem gewissen Gegensatz zum idyllischen Meeresstrand steht, der die Mitte des Bildes ausfüllt. Links eine weibliche Figur mit dem Bocksgehörn, eine Mänade darstellend und daneben ein Satyr mit einem recht animalischen Lachen. Rechts unten schließlich sieht man Bacchus (Dionysos) persönlich. Das titelgebende „Bacchanal“, in der Antike ausschweifende Festlichkeiten mit entsprechendem Trinkgelage, ist hier collagistisch überhöht; das Gebilde links oben könnte man aus Teil eines Weinfässchens deuten.

 

 

 

Der antike Gott Pan kann auf eine lange Vergangenheit zurückblicken, die von den frühen Anfängen der Kultur bis zur Moderne reicht. Seine letzte massenmediale Metamorphose hat er in Peter Pan erreicht und fungiert hier als Junge, der nie erwachsen wird und als Anführer einer Kinderschar mit dem Gegenspieler Captain Hook auf der fiktiven Insel Nimmerland allerlei Abenteuer erlebt. Seine Geschichten, Anfang des 20. Jahrhunderts publiziert, erleben bis heute Neuauflagen und sind auch Gegenstand von Opern, Musicals, Filmen, Pop-Songs und Comics. Diese außerordentlich populäre allegorische Figur einer ewigen Infantilität hat allerdings so gut wie nichts mehr zu tun mit jenem halb tierischen-halb menschlichen Naturdämon der frühen Menschheit. Letzterer hat auch in seiner antiken bocksbeinigen und gehörnten Gestalt das Vorbild für die Gestalt des antichristlichen Teufels abgegeben, der in seiner goetheschen Paraphrase des Mephisto als der Geist fungiert, „der stets das Böse will und stets das Gute schafft“. Wenn wir dabei noch gewärtigen, dass Pan und seine Faune zum Gefolge des Dionysos gehören, so wird klar, dass die beiden antiken Ex-Götter eine beispiellose Erfolgsgeschichte des Nachlebens der Antike hingelegt haben.