Die folgenden Bilder und Texte sind einem Thema gewidmet – ohne sich gänzlich darin zu erschöpfen –, das auf den ersten Blick wenig mit den SCHÖNHEITEN gemeinsam hat: dem GELD. Und dennoch gibt es einen Zusammenhang, der normalerweise so gut wie unbemerkt bleibt, obwohl wir (noch) täglich mit ihm zu tun haben, nämlich die Ästhetik und Sinnlichkeit des Geldes, verkörpert durch die Bilder auf den Münzen und vor allem auf den Banknoten. Letztere werden hier in Fragmenten und Ausschnitten in meinen Collagen, die teilweise übermalt wurden, präsentiert. Dabei wird deutlich, dass „die ästhetischen Qualitäten (des Geldes) eine rhetorische Funktion haben“

Beim schönen Schein der Geld-Bilder geht es um die Bestätigung und die Verstärkung einer Art Glauben, der im Wesentlichen im Vertrauen auf den Wert des Geldes innerhalb der Währungsgemeinschaft besteht.

Wir vertrauen dem Geld nicht deshalb, weil es einen bestimmten Wert hat, sondern das Geld hat diesen Wert, weil wir darauf vertrauen. Und ein solches Vertrauen rückt es in die Nähe eines religiösen Glaubens.

Der Untertitel GELD UND MAGIE verweist auf einen Zusammenhang, den schon Goethes Faust erkannte, nämlich die wunderbare Geldvermehrung des Papiergeldes, das man mit dem alchemistischen Prozess verglich – mit dem Unterschied, dass das, was den Alchemisten nie gelang, die Herstellung von Gold, nun in der Geldwirtschaft möglich wurde. So habe ich bei vielen meiner Geld-und-Magie-Bild-Collagen Fragmente von Grafiken auf Banknoten mit alchemistischen Abbildungen, meist aus dem 17. Jahrhundert, und Plakaten von „Zauberern“ und „Magiern“ kombiniert, die um 1900 im Zirkus und sonstigen Vergnügungsetablissements auftraten.

Geld und Magie 01, 2016, Arcryl/Collage, 33 x 48 cm

 

Hier werden Kaninchen aus Eimern gezaubert, Schweine grunzen vor dem Hintergrund einer alchemistischen Zeichnung, während links ein junger wackerer Bergmann sein Untertagewerk mit dem Presslufthammer verrichtet. Zahlen sowie Plus und Minus schwirren durch die übermalte Collage. Der Kumpel entstammt einer Grafik auf einer Banknote, als wollte man damit andeuten, dass nur die stete fleißige Arbeit den Wert des Papiergeldes garantiert; vielleicht mit dem Hintersinn, dass man doch nicht nur das schwarze Gold aus dem Berginnern gewinnt, sondern eines Tages auf eine Ader mit wirklichem Gold stößt.

Sol und Luna, 2016, Fine Art Print unter Acrylglas, 45 x 60 cm

 

In der Vormoderne stellte man sich die Materie als belebt vor. Damit verband die Alchemie eine lange mythologische Tradition der heiligen göttlichen Hochzeit zur „Chymischen Hochzeit“. Diese beinhaltet die Vereinigung von männlichem Sulphur/Schwefel (Vater) und weiblichem Mercurius (Mutter), die eine neue Substanz als ihr Kind zeugen, das wiederum als Mercurius bezeichnet wurde. Die Protagonisten dieser „chymischen Hochzeit“ können in der Alchemie auch König und Königin oder Sol (Sonne) und Luna (Mond) sein. Der Mercurius vermittelt zwischen Körper und Geist und wird oft als Hermaphrodit dargestellt, der Männliches mit Weiblichem verbindet. Überhaupt macht es für uns Heutige den Charme der vergangenen alchemistischen Welt aus, dass dort, wo unpersönliche Formeln und empirische Wissenschaft herrschen, ein buntes Gewimmel aus personifizierter Materie sich tummelt mit fast surrealistischem Gepräge.

Die alchemistische Kopulation der geflügelten Sol und Luna, Sonne und Mond, - geflügelt deshalb, weil sich die Körper in flüchtigem Zustand befinden – werden im nächsten Bild mit anderen geflügelten Wesen konfrontiert, nämlich zwei Vögeln, die ich einer Banknoten-Grafik entnommen habe.

Geld und Magie 10, 2016, Acryl/Fine Art Print, 33 x 48 cm

 

In „Geld und Magie 10“ habe ich ein seltsames Paar auf einer Banknote mittels Collage in einen Zusammenhang gebracht mit dem „Philosophischen Merkur“, hier in einer Phiole entstanden, die von zwei Putti gehalten wird. Die Dame links hat als Kopf das Auge Gottes und der Herr daneben muss einen Affenkopf tragen, alles den schönen Bildern auf Banknoten entnommen. Will ich damit auf die nicht immer ganz einfachen Beziehungen zwischen Evolution und göttlicher Schöpfungshohheit anspielen? In jedem Fall hat das Geld sich von Anfang an um göttliche Validierung bemüht anstatt evolutionäre Schützenhilfe in Anspruch zu nehmen. Nicht umsonst steht auf der Rückseite der 1-Dollar-Note:

IN GOD WE TRUST

Der „philosophische Merkur“  hat in der äußerst komplexen, z.T. widersprüchlichen, vieldeutigen Symbolik der Alchemie die Bedeutung eines flüchtigen Metalls, des Quecksilbers, kann aber auch schon den Endzweck allen alchemistischen Tuns bedeuten, nämlich die Gewinnung des „Steins der Weisen“, eine vermeintlich magische Substanz, der man u.a. die Möglichkeit der Goldgewinnung zuschrieb. Man interpretierte das „Große Werk“ der Alchemisten aber auch als ethisch-philosophischen Läuterungsprozess.

Es wird heute im Zeitalter der oft exzessiven Preisgestaltung für zeitgenössische Kunst manchmal unterstellt, dass das Kunstwerk schon durch die Tatsache, dass es unter Marktbedingungen seinen Preis hat, gleich, ob er erlöst wird oder nicht, irgendwie schon in seiner Substanz kontaminiert sei. Wenn man dies annimmt, kommt man notwendigerweise zu der absurden Konsequenz, dass Werke von Künstlern, von denen einige zu den bekanntlich exorbitanten Summen gehandelt werden, besonders „verdorben“ seien. Von diesem unausweichlichen Sündenfall gäbe es – im Gegensatz zur Religion – keinerlei „Erlösung“, da auch diejenigen Künstler, die sich dieser „Kommerzialisierung“ zu entziehen versuchen, in dem Moment, wo sie einen Nerv des Publikums getroffen haben, in den Markt integriert werden, selbst dann, wenn sie erfolgreich ihre Identität geheim halten, wie Banksy.

Einen Ausweg aus diesem Dilemma stellt meiner Meinung nach die Theorie von Beuys dar, wonach das Kunstwerk eine grundsätzlich anderes als das Geld-Kapital sei und nur in dem Moment, wo es gekauft wird, seinen Preis hat, ansonsten habe es unabhängig davon die „eigentlichen“ Bedeutungen und Wertschätzungen.

 

Heribert Heere

KÜNSTLER