Geld und Magie

 

Die Thematik meiner neuen Collagen ist der These verpflichtet, dass „Geld“ sehr viel mit Glauben und mit Irrationalität zu tun hat.

Insbesondere die wunderbare Geldvermehrung seit Einführung des Papiergeldes ab dem 17. Jahrhundert zeigt den magischen Charakter des Geldes. Im Gegensatz zu den vorher fast ausschließlich üblichen Münzen aus Gold und Silber, die einen Wert an sich hatten, ist der Wert der papierenen Geldscheine vom Glauben an die ausstellende staatliche Autorität und an den prosperierenden allgemeinen Geldverkehr bestimmt – mit seinen Risiken und Chancen.

Dies hat Ökonomen wie Hans Christoph Binswanger veranlasst, die entfesselte globale Geldzirkulation als eine „Fortsetzung der Alchemie mit anderen Mitteln“ zu bezeichnen .

Die vergebliche Suche der Alchemisten nach dem Stein der Weisen, nach der Umwandlung von Materie in Gold habe in der modernen Geldwirtschaft „als das Geldkapital, das selber Geld, wiederum Geld schafft“  endlich Erfolg gehabt. Binswanger und andere Ökonomen sehen deshalb auch in den entsprechenden Stellen im Faust II von Goethe, in dem Faust mit tätiger Hilfe von Mephisto eine expansive Wirtschafts- und Geldpolitik durchsetzt, Parallelen zur heutigen Situation.

 

In meinen Collagen gibt es drei bildliche Bezugsfelder:

- das Geld, angedeutet durch Ausschnitte aus Grafiken von Banknoten aus aller Welt

- die Alchemie mit Darstellungen aus ihrer Blüte im 16. und 17. Jahrhundert

- die Magie, vertreten durch Fragmente aus Plakaten von Zauberkünstlern.

 

Aber noch eine andere Inhaltsebene wird evoziert durch meine Verwendung von Gold-, Silber-, und Bronzefarbe: nicht nur nehme ich damit Bezug zum ursprünglich magischen Gold und Silber des Münzgeldes, sondern ich verweise auch auf den alten Mythos vom Goldenen-, Silbernen- und Ehernen Zeitalter. Dort wird von einer paradiesischen Urzeit berichtet, die auch utopischen Charakter habe, angesichts des Verfalls heute. Doch einer der bedeu-tendsten Dichter der Antike, Ovid, der von der Wiederkehr des Goldenen Zeitalter erzählte, war auch dessen Kritiker, wenn er schrieb, „die jetzigen Zeiten seien wahrhaft golden, denn mit Geld verschaffe man sich Liebe und höchste Ämter“. 

(ars amatoria 2, 277)

Heribert Heere

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