Gott

Im 20. Jahrhundert ist (nicht nur) im Westen etwas entstanden, was es so noch nie gab: eine weitestgehend säkulare Gesellschaft, die Vielen als Ideal jeder Gemeinschaft erscheint und die alles an Bedeutung nur mehr innerhalb ihrer selbst zu finden vorgibt. Demgegenüber häufen sich heute die Anzeichen, die zu Recht als bedrohlich wahrgenommen werden, dass trotz oder wegen der Globalisierung und einer umfassenden digitalen Welt diese unsere komplexe Welt alles andere als sicher und konsensfähig sei. Man spricht sogar schon von einer „Zeitenwende“!

„Nah ist und schwer zu fassen der Gott. Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“ (Hölderlin)

Seit Beginn der Moderne haben sich die Bilder Gottes z.B. in künstlerische Abstraktionen verlarvt. Ich gehe in meinen Bildern mit christlichen Motiven von einer Art christlicher Mythologie aus. Damit negiere ich keinesfalls theologische Bedeutungen und Glaubensinhalte, wie auch keine der Problematiken der Institution „Kirche“. Im Zuge der Spätmoderne, in der angeblich alles geht, lässt sich innerhalb der grenzenlosen Profanierungen paradoxerweise Eines feststellen: Die Kunst selbst ist zu einem Synonym des Göttlichen geworden. Mit Bildern des Christentums aus früherer europäischer Kunst versuche ich collagistisch, die heutigen kulturellen Leerstellen fehlender Transzendenz künstlerisch zu aktualisieren.