KÜNSTLERBÜCHER

Meine Künstlerbücher, die ich seit den 1980iger Jahren erstelle, versammeln eigene Texte zu thematischen Bild-Komplexen meiner Arbeit. Der Grund liegt keinesfalls darin, dass ich als Künstler meine Arbeiten nicht selbst für aussagekräftig genug halte noch dass ich den Betrachter in irgendeiner Weise bevormunden oder schulmeistern möchte. Ganz im Gegenteil – ich will dem Betrachter damit die Freiheit des kombinierenden Sehens erweitern.
Meine Arbeiten, die alle dem Prinzip Collage verpflichtet sind, eröffnen Imaginations- und vor allem Denkräume. Als solche weisen sie über sich selbst hinaus und schaffen Räume des analogisierenden Denkens, sprich der Einbildungskraft. Das offene Werk muss auch für Texte offen sein!
Mein Werk schafft einen Denkraum, der von der heidnischen Antike über das christliche Mittelalter bis in die Jetzt-Zeit reicht. Damit nähert es sich dem Postulat „Kunst als Philosophie“.
Der thematische Begriff der „Transparenzen“ bezieht sich in erster Linie auf meine meist durch Überlagerungen entstandenen Bilder. So entsteht ein Hindurch-Sich Zeigen (trans-parere). Transparenz ist ein zentraler Begriff unserer globalisierter Kultur – und als solcher nicht unumstritten.
In den in diesem Künstlerbuch vorgestellten Bildserien und Texten zeigt sich, dass heute die Transparenz die frühere Transzendenz, also den „Überstieg“ zu Höherem abgelöst hat und somit statt Hierarchien eine permanente Präsenz von Allem uns umgibt, wie z.B. in folgenden inhaltlichen Schwerpunkten: Das Komische, das Tragische, das Nackte, der Heilige Konsum, die leibhaftige Malerei, Ödipus, die Hölle, Mikro-Makro etc.
Wenn, wie in meiner Arbeit, die Kunst Kulturphänomene selbst in den Blick nimmt, kann es beim Betrachter zu einer ästhetischen Selbstreflexion kommen. 
Kultur ist immer ein Konglomerat aus Vergangenem und Gegenwärtigen – und damit auch Zukünftigem. Es gibt keine Kultur, die nur aus Gegenwart besteht.
Wir prägen die Kultur und werden von der Kultur geprägt.
Soweit wir Natur sind, sind wir innerhalb und außerhalb der Kultur.
Unsere Lebenswelt ist immer innerhalb der Kultur. Selbst da, wo wir auf das „nackte Leben“ zurückgeworfen sind, sind wir kulturelle Wesen.
Kunst ist das Reich der Möglichkeit, nicht der Notwendigkeit (es sei denn, aus der Sicht des Künstlers). Der Künstler, der Abbilder der Kultur ins Bild nimmt, schafft als Künstler nicht nur Ab-Bilder, sondern autonome Werke. Andererseits verweisen diese aufgrund ihres Abbildcharakters über sich hinaus.

Heribert Heere

MALER  COLLAGIST  ESSAYIST