Sehen Sie hier einen Auszug aus den SCHÖNHEITEN.

 

Mein Künstlerbuch SCHÖNHEITEN mit 220 Seiten und 104 farbigen Abbildungen von Collagen und Gemälden, die ich in den letzten drei Dekaden geschaffen habe, ist 2019 im Kerber-Verlag, Berlin-Bielefeld erschienen. Ich selbst habe dazu einen ausführlichen Essay verfasst.

 

Ich versuche in diesem Buch, eine Interaktion zwischen Bild und Text zu schaffen. Der Betrachter sollte idealerweise von den subjektiven Bildassoziationen zu den Textassoziationen switchen und umgekehrt. Bilder der Kunst sind in gewisser Weise auch Texte. Bilder der Kunst sind auch Forschungen.

 

Schönheit war lange Zeit tabuisiert in der modernen Kunst. Ihr haftete seit Beginn des 20. Jahrhunderts das Stigma des falschen Scheins einer vergangenen Welt an – sei es das des Feudalismus oder das einer als unwahr empfundenen Salon-Kunst, die allerdings vielfältige Facetten der Kultur des 19. Jh. wiedergab.

Weiterhin galt die Darstellung der Schönheit der avantgardistischen Kunst als kontraproduktiv angesichts der dramatischen technischen, sozialen und kulturellen Umwälzungen.

 

Im Gegensatz dazu entwickelte sich gerade im Zuge des rasanten technischen Fortschritts von Fotografie und Film sowie der Print-Medien eine Welt des massenmedialen Glamours, die in einem Ausmaß wie nie zuvor Schönheiten kreierte. Heute, im Zeitalter der millionenfachen Schönheits-Selbstdarstellungen (auch in den sozialen Netzwerken), gilt es, den Begriff historisch neu zu begründen und künstlerisch zu realisieren.

 

Meine Schönheits-Arbeiten sind dem berühmten Motto von Stendhal: "Schönheit ist nichts als das Versprechen des Glücks" verpflichtet. Als solche sind Schönheiten ein Ereignis und nicht mehr, wie seit den frühen Griechen, ein verbindliches Ideal. Trotzdem haben sie als Kunst einen allerdings profanierten Anteil daran. In einem ausführlichen Schlusskapitel "Arcadia" meines Künstlerbuches entwickle ich einige künstlerische Perspektiven einer "Zukunft der Schönheit".

 

In immer neuen Variationen arbeite ich an dem, was Nietzsche die „ewige Rechtfertigung des Daseins und der Welt als ästhetisches Phänomen“ nennt. Dies darf man keinesfalls insofern missverstehen, als seien die SCHÖNHEITEN ein fader Zuckerguss über den Schrecklichkeiten und Dissonanzen der Welt, die übrigens in vielen meiner Arbeiten als mehr oder weniger groteske Monster erscheinen. Im Gegenteil kann gerade eine Kunst der „Verklärung“ eine andere Welt schaffen, allerdings nur als Kunst. Aber durch die Vorwegnahme dieser Utopie hat man überhaupt die Hoffnung einer besseren – und das heißt heute nicht mehr und nicht weniger – überlebensfähigen Welt.