Parnass

Parnass 03, 2019, Acryl/Collage, 100 x 70 cm

 

 

In dieser übermalten Collage sind mehrere Welten vereint: die moderne, dargestellt durch das Gesicht einer jungen Frau; die Welt der Renaissance, verweisend auf die Antike mit einigen Musen und Dichtern von der Hand Raffaels sowie die christliche Welt mit Christus und Antichrist, von Luca Signorelli im Dom von Orvieto gemalt

„Viele Verführer sind in die Welt hinausgegangen; sie bekennen nicht, dass Jesus Christus im Fleisch gekommen ist. Das ist der Verführer und der Antichrist.“ (2 Joh 7)

Der Antichrist wird als falscher Messias vom Verfasser der Johannesbriefe angesprochen im Gegensatz zum wahren Messias, nämlich Christus. Signorelli hat ihn mit den Zügen des Teufels, kenntlich an den Hörnern, ausgestattet, so, als versuche er, dem Herrn etwas einzuflüstern. Darüber sehen wir die Musen Thalia, Klio und Euterpe, die jeweils die Komödie, die Geschichtsschreibung und die Tonkunst verkörpern. Überwölbt scheinen diese Gestalten von einer modernen jungen Frau mit einer überdimensionalen Lilie im Hintergrund.

Eine Eschatologie mit dem messianischen Erlöser, einem Ende aller Tage mit Weltuntergang und Auferstehung war in der Antike unbekannt. Raffael stellt die Künste und die Dichter in eine ideale, überwirkliche, ewige Welt, die in meiner Collage mit den Auferstandenen im Paradies korrespondieren. Und als letzte Instanz tritt nicht Gottvater auf, sondern eine junge durchaus irdische Frau.

Parnass 04, 2020, Acryl/Collage, 100 x 70 cm

 

Vor der Kulisse des Lago Maggiore tummeln sich wieder einige Musen aus Raffaels „Parnass“, während zwei antike Dichter, ebenfalls aus diesem Fresko in den Stanzen des Vatikan, in bester surrealistischer Manier, aus einer Agave „herauswachsen“.

Nicht auf den ersten Blick ersichtlich schält sich rechts aus der Dunkelheit einer Art Schuppen ein überdimensionierter Schnürschuh heraus. Die Vorlage für dieses „Schuhzeug“ stammt von einem seitenverkehrten kleinformatigen Gemälde von Vincent van Gogh mit ein Paar Schuhen, das er 1886 in Paris malte und das noch in verschieden hellen Braun- und Ocker-Tönen, die für seine frühe Schaffensphase bezeichnend sind, gehalten ist.

Van Goghs Schuhbild hat eine gewisse zusätzliche Berühmtheit erlangt, da Martin Heidegger in seiner Abhandlung „Der Ursprung des Kunstwerks“ ausführlich darauf eingeht.