Hl. Cäcilie

Hl. Cäcilie, 1988, Öl auf Leinwand, 190 x 180cm

 

 

Raffaels „Heilige Cäcilie“ wurde immer verstanden als Möglichkeit bzw. Unmöglichkeit, im bildnerischen Kunstwerk Musik sichtbar werden zu lassen. Cäcilie ist eine legendäre frühchristliche Märtyrerin und Schutzheilige der Kirchenmusik. Wie Jacob Burckhardt bemerkte, zeigt Raffael in seinem Gemälde die Macht der „himmlischen Töne“:

„Auf der Erde liegen die weltlichen Instrumente, halbzerbrochen, saitenlos; selbst die fromme Orgel sinkt aus den Händen der Heiligen. Alles lauscht dem oben in den Lüften nur angedeuteten Engelchor. Dieser wunderbar improvisierten Gruppe gab Raffael den Gesang, dessen Sieg über die Instrumente hier dem an sich unmalbaren Sieg himmlischer Töne über die irdischen mit einer wiederum bewunderungswürdigen Symbolik substituiert wird.“[1]

 

[1] Zitiert nach Wolfgang von Löhneysen, Raffael unter den Philosophen, Berlin 1992, S. 242

 

 

In meinem Bild sind gegenüber dem „Original“ die liegenden Instrumente, drei Figuren (Johannes, Petrus, hl. Magdalena) sowie der obere Engelschor weggelassen. Dafür schweben nun im rechten Bildteil drei Engelsköpfe, die deutlich einer modernen Model-Welt entstammen. In meiner bildimmanenten Konfrontation der metaphysischen Welt der Renaissance mit dem materialistischen massenmedialen Konsum-Glamour sind die himmlischen Chöre verschwunden. Stattdessen rauscht eine Squadra mit Model-Engeln heran. Die hl. Cäcilie schaut immer noch lauschend nach oben – aber da ist eigentlich nichts. Die raffaelsche Cäcilie jedoch lässt sich als Ausdruck der gestaltlosen Macht der Musik, respektive der „himmlischen Chöre“ deuten, der Raffael gerade durch seine Gestaltung „Transzendenz“ verleiht.

Heilige, Models, Engel, Landschaft - in meinem Bild geht es um eine Re-Inszenierung, die den collagistischen und szenischen Charakter moderner Bildwelten verdeutlicht. Mittels des collagistischen Verfahrens werden die modernen Bildwelten in die Vergangenheit zurückversetzt und vice versa. Es ist ein Spiel mit kulturellen Identitäten, wie auf einer Bühne.