Stanzen

Disputa 04, 2020, Acryl/Sticker/Collage, 33 x 49 cm

 

 

Die Figuren links sind dem Fresko der „Disputa“ Raffaels in den Stanzen des Vatikans entnommen. Der junge Mann unten, wohl ein Schüler, schreibt etwas, scheinbar unbeeindruckt von dem Figuren-Gewimmel um ihn. Über ihm eingeblendet sehen wir den Jäger Aktaion mit Hirschkopf, eine Anspielung auf die antike Sage von Diana und Aktaion, von Parmigianino, etwa eine Generation später gemalt. Darüber das Gesicht eines älteren bärtigen Mannes, der wohl Platon darstellt. Daneben einen Riesen, einen „Giganten“, aus dem gleichnamigen Saal des Palazzo del Té, am Rande von Mantua, von Giulio Romano, einem Schüler Raffaels ausgemalt.

Die Theologie (als deren Darstellung die „Disputa“ konzipiert wurde), wird von mir kontrastiert mit Figuren aus zwei antiken Mythen, etwa eine Generation nach Raffael an anderen Orten und ohne Zusammenhang zur Disputa; von zwei Künstlern gemalt, die man dem Manierismus zurechnet.

Die Verbindung von christlichen und antiken Motiven ist für die neoplatonisch orientierte Renaissance und den Manierismus nichts Ungewöhnliches. Auch stilistisch wirken die Einfügungen durchaus passend, was natürlich auch daran liegt, dass beide Künstler mehr oder weniger direkt von Raffael beeinflusst waren.

 

"Parnass 02", 2020, Collage, 100 x 70 cm

 

Für diese Collage wurden drei großformatige Fotoabzüge nach folgenden Motiven  verwendet:

-   eine Orchideenblüte

-  die "Venus pudica"

-  ein Ausschnitt aus dem Fresko "der Parnas" von Raffael .

 

Einige Musen (hier Terpsichore (Tanz), Klio (Geschichte), Kalliope (Epische Dichtung), Erato (Liebesdichtung), Melpomene (Tragödie), Thalia (Komödie) verkörpern antike Kunst und Kultur, die in der Hochrenaissance, die von Raffael künstlerisch stark geprägt wurde, im Akt einer Wiederentdeckung neu definiert und gestaltet wurde. Da darf natürlich Venus als Göttin der Liebe und der Schönheit nicht fehlen.

 

Waren die SCHÖNHEITEN  Thema meines 2019 erschienenen Künstlerbuches, so mit den NEUEN ARCHÄOLOGIEN das Grundthema meiner gesamten Kunst akzentuiert.

Und ist die Liebe nicht - durch alle Zeiten und Kulturen - ein gleichbleibendes Thema, Traum und Trauma, das in tausendfältigen Facetten die Künstler von der frühesten Prähistorie an immer wieder, fast zwanghaft, tragisch oder "himmelhoch jauchzend" gestaltet und geprägt haben.