Das Paradies markiert im Christentum das Phantasma sowohl einer uranfänglichen Schöpfung durch Gott sowie einen Zustand nach „dem Ende aller Tage“ mit der Herabkunft Christi. Allerdings hat diese Zeit „dazwischen“ der einerseits schon erreichten Erlösung durch Christus und der noch ausstehenden finalen Wiederkehr des Herrn, der Parusie, einen merkwürdigen Charakter, der immer wieder durch verschiedenste Messianismen geprägt ist. Giorgio Agamben spricht hier in Analogie zum Römerbrief des Paulus von einer „Zeit, die bleibt“, in der „die messianische (Zwischen)-Zeit weder mit dem Ende der Zeit noch mit der profanen chronologischen Zeit zusammenfällt, ohne aber der letzteren äußerlich zu sein.“ Sie sei, so Agamben weiter, „Teil der profanen Zeit, der zusammengedrängt und dadurch gänzlich verwandelt wird.“[1]

Im Zuge der 2000jährigen Geschichte des Christentums ohne Parusie, ohne Wiederkunft des Herrn, die die ersten Christen noch zu Lebzeiten erwarteten, scheint diese Zwischenzeit nicht mehr mit der paulinischen Aufforderung zu einer dissimulativen Lebenspraxis eines „So tun als ob nicht“[2] ausgefüllt zu sein, sondern ist schon lange umgeschlagen in eine mächtige Tendenz zu einem „Irdischen Paradies“ im Hier und Jetzt

 

[1] Giorgio Agamben, Die Zeit, die bleibt, Frankfurt 2006, S. 77

[2] 1 Kor. 7, 29-32

Heribert Heere

KÜNSTLER