„Garten der Lüste“ – Dieser wohl berühmteste Triptychon von Hieronymus Bosch stellte eine „virtuelle Welt“ (Hans Belting) vor, eingespannt zwischen dem utopischen Versprechen erotischen Glücks und einer metaphysischen Deutung, die im Gemälde einer biblischen Perspektive unterworfen ist: Die Welt als Paradies. Durch Boschs phantastische Zwitterwesen, kombiniert aus Teilen der natürlichen Fauna und Flora mit „surrealen“ Erfindungen sowie seine entsprechenden Architekturen und Landschaften sind seine unzähligen Mikro-Bilderfindungen ideale Objekte für den Collagisten: er fügt sozusagen den „Collagen“ des Malers neue hinzu. Doch gibt es nicht nur Paradiesisches in Boschs Welt, sondern immer auch deren Verkehrung, die Hölle – mit ihren Dissonanzen, ihren Folterinstrumenten und anderen Bizarrerien. Dabei erscheint die Hölle selbstgemacht: das göttliche Personal ist auf Boschs Triptychen meist weit entfernt: kleine unbedeutende Zuschauer einer Welt, die oft ironisch, ja zynisch zwischen Apokalypse und Paradies changiert.

Der „Garten der Lüste“ (übrigens ein später hinzugefügter Titel) repräsentiert die „Natur im Zustand permanenten Werdens, mit einer exuberanten Fruchtbarkeit (Fruchtkapseln, Eierschalen, Muscheln, Erdbeeren oder Kirschen).“ (Belting)

Genau auf diese Utopie eines überquellenden Lebens, auf dieses permanente Werden unter dem Primat von Schönheit und Phantasie zielen meine eingefügten Models (wie übrigens oft in meinem Werk). Und gehört zur Schönheit nicht immer eine gewisse Bizarrerie?

Heribert Heere

KÜNSTLER