Den Ausdruck "Profanierungen" hat Giorgio Agamben als Titel einer seiner Essay-Sammlungen in die Diskussion gebracht. Damit bezeichnet er die Rückgabe der Dinge, die durch "Weihen" (sacrare) in die Sphäre der Religion überführt wurden, wieder zum freien Gebrauch der Menschen. Profanierung beinhaltet im Gegensatz zur Säkularisierung jedoch keinen unbedingten Ausschluss des Religiösen: Dinge können dann sowohl profane wie auch religiöse Anwendungen und Bedeutungen haben. „Die Profanierung löscht das Heilige nicht aus, sondern lässt es, wie in einem Suchbild entstellt, verrätselt, aber auch mit neuer Leichtigkeit fortleben – so wie der Ritus fortlebt im Spiel.“

 

Durch die Einfügung ehemals religiöser Sujets in meine Bilder geht es mir ebenfalls um eine "Profanierung", also um einen freien, spielerischen Umgang in der Kunst, im Gegensatz zu einer bloß blasphemischen Absicht, die mir völlig fern liegt.
In einem weiteren Sinne kann man als Profanierung die Grundidee des Collagisten bezeichnen, da er aus verschiedenen Sphären, in meinem Fall aus denen der Model-Massenkultur, der Mythologie, der Religion, der Kulturlandschaft etc. Bildfragmente herausnimmt und sie einen neuen "profanen" Zusammenhang der Kunst fügt.
Giorgio Agamben bezeichnet "die Profanierung des Nicht-Profanierbaren" - z.B. der massenmedialen Schönheits- und Erotik-Welt - als "die politische Aufgabe der kommenden Generation"!

Heribert Heere

KÜNSTLER