Arcadia

Arcadia, 2002, Öl auf Leinwand, 100 x 80cm

 

.

Et in Arcadia ego.

Auch ich (der Tod) in Arkadien.

 

Die Vorstellung von Arkadien geht auf Vergils Hirtengedichte zurück, die von 42 – 39 v. Chr. entstanden sind. Er bezog sich auf eine Landschaft inmitten der griechischen Peloponnes mit hohen Bergen, üppiger, aber rauher Natur, die von umherziehenden Hirten mit einem einfachen, naturhaften Leben bevölkert war, lässt sich aber als eine imaginäre Landschaft begreifen, die gerade deshalb Künstler und Literaten seit jeher fasziniert hat.

 

Glaubt man den Versprechungen der Kulturindustrie mit ihren massenhaft und inflationär apostrophierten Trivial-Paradiesen, für deren Aufzählung eine Seite nicht ausreichen würde, so leben wir im „Goldenen Westen“ schon in einer Art „Irdischem Paradies“, dessen Kehrseiten aber die diversen Höllen woanders darstellen.

Gegenüber einem ewigen Leben im Paradies gibt es in Arkadien den Tod. Erwin Panofsky hat klargemacht, dass dessen elegisch-utopische Vision einer seligen naturnahen Welt auf einem Übersetzungsfehler des bekannten „Et in Arcadia ego“ beruhte, der nichtsdestotrotz die Bedeutungsverschiebung seit dem 17. Jh. markiert.

Nicolas Poussin, Et in Arcadia Ego, 1640

 

Wie auf diesem Gemälde von Nicolas Poussin zu sehen ist, sinnieren Hirten etwas ratlos vor einem großen sarkophagähnlichen Gebilde, was jene Inschrift wohl bedeutet, die man nach Panofsky so zu verstehen habe: Auch ich, der Tote, (oder der Tod) war (oder bin) in Arkadien.

Arcadia 08b, 2017, Acryl/Fine Art Print, 33 x 48 cm

 

Auch Aphrodite kann eine furchtbare Göttin sein.

 

Sie wird als die Herrin der Tiere, wie im Hymnus angesprochen, betrachtet. Ihr Geburtsmythos ist schaurig, nach dem sie als „Schaumgeborene“ aus dem im Meer treibenden abgehauenen Zeugungsglied des Uranos, des Himmels, sich erhebt. In Aphrodite ist Schönheit und Eros vereint, was sich in ihren diversen Affären manifestiert.

Arcadia 13b, 2017, Fine Art Print auf Dibond, 75 x 105 cm

 

Nicht erst seit Rilkes Duineser Elegien wissen wir, dass das Schöne „des Schrecklichen Anfang“ sein kann. 

Arcadia 14, 2017, Fine Art Print auf Dibond, 70 x 105 cm

 

 

Die Schönheit ist durch ein Bestreben gekennzeichnet, sich von der Gestalt des Animalischen zu entfernen. Im Besonderen sei die Ähnlichkeit mit dem Affen verhasst. Das Animalische in uns wird dann zu den vielfachen Figuren des Monsters veräußerlicht und kann als solches Abgespaltenes ein munteres Leben in allen neuen und alten Mythen spielen.

 

 

Heribert Heere

KÜNSTLER