Gemälde 2000

Carla, 1999, Öl auf Leinwand, 200 x 160 cm

 

Der Philosoph und Autor Pravu Mazumdar schrieb über "Carla":

 

Aus der blauen Tiefe des Schädels steigt CARLA empor, die silbernen Haare hochgesteckt, die Augenlieder geschlossen. Wie Helena löst sie sich von dem brodelnden Gemisch aus Nacht und Feuer und steigt in eine Höhe, von der aus sie das Eis ihrer Ruhe und Sichtbarkeit spendet. Noch haftet an ihrem Hals das Blau jener Nacht und an den Schultern das Orange jenes Feuerstreifens, aus denen sie eben aufgetaucht ist. Mit dem ganzen Arsenal ihrer Anmut, der kühlen, hohen Stirn, dem vornehmen Hinterhaupt, der zum Relief ausgeformten Ohrmuschel, den langen Wimpern, die sich über das knospende Augenlicht schließen, dem empfindlichen Nasenflügel, dem träumenden Mund, der nie zum Küssen, sondern zum Verkünden leiser, schrecklicher Wahrheiten sich wölben wird, erscheint sie als die unmögliche Tochter jener Hölle, aus der sie hervorging, jener Todeskälte und jenes flammenden Orange, aus denen heraus sie in ihre Ruhe gegossen wurde: eine Fiktion aus Silber, blicklos, noch ungeboren.

 

 

Eva, 1998, Öl auf Leinwand, 200 x 160 cm

 

Pravu Mazumdar weiter:

 

Das schicksalhafte Bündnis von Welt und Bild, die spezifischen Formen ihrer Koexistenz, waren konstitutiv für die verschiedenen Epochen der abendländischen Kulturgeschichte. Sobald aber die Welt nicht mehr Schöpfung eines unendlichen und transzendenten Gottes ist, sobald das Verhältnis zwischen Zufall und Notwendigkeit im Weltgeschehen sich umkehrt und Inseln der Notwendigkeit und Vernünftigkeit fortan aus der unendlichen Demiurgie des Zufalls hervorgehen, den griechischen Göttern gleich, mit ihren begrenzten und unberechenbaren Zuständigkeiten, stiehlt sich der Zufall in das Bildgeschehen ein. Das Band zwischen Bild und Welt ist kein notwendiges mehr, im Idealfall von Wahrheit durchtränkt, sondern ein schwankender, vielsträhniger, labyrinthischer Raum. Das besagt das Ende der Epoche der Repräsentation und des ikonischen Realismus, denn es ist nicht mehr eine wahre und wesenhafte Welt, die die Hand des Künstlers führt, sondern der Zufall als Überfluß und Überschreitung der Ordnung des Notwendigen. Es handelt sich damit um eine fundamentale Verwandlung des Bildes selbst.

Der wesentlichste Schritt dieser Verwandlung: die Fläche des Bildes verliert ihre traditionelle Einheit. Dieser Verlust signalisiert das Ende einer alten und sehr mächtigen Metaphysik. Die vielen Götter ziehen in das Bild ein, das damit zu einem komplexen und bewegten Zusammenhang aus Bildern wird. In der Abwesenheit Gottes meldet sich ein fröhliches Gewimmel der Götter, die Welt verwandelt sich in eine wesentlich unsichtbare Vielzahl der Universen, die Seele ist, in Nietzsches Worten, ein Gesellschaftsbau der Seelen, ebenfalls ist das Bild ein Gesellschaftsbau der Bilder. Das neue Bild ist ein Labyrinth aus Bildern.

 

Amica, 1997, Öl auf Leinwand, 200 x 140 cm