Unser Bikini-Model sitzt auf einem etwas maroden Kahn mitten im unergründlich grün-blauen Uferbereich eines Bergsees, der von Wäldern und Felsen eingerahmt wird. Seltsame farbige malerische Icons und Strukturen umschwirren es. Natürlich ist es direkt den Seiten eines Hochglanzmagazins entsprungen, wie seit der Pop Art und – noch um einiges früher – seit Francis Picabias späten Model-Gemälden nicht unüblich. Durch meine Malerischkeit bekommt die Natur aber etwas Unmittelbares, fast eine Art „natura naturans“. Und ist nicht der von dem Bikini nur knapp verhüllte nackte Körper dieses Beauties nicht auch ein Moment Natur? Körper und Landschaft – ein ganz großes Thema! Natur, Schönheit, und eine gewisse nicht konsumierbare Erotik – umgeben von fast abstrakt-expressiven Pop-Erscheinungen – das versuchte ich hier zusammenzubringen.

Giorgio Agamben hat in seinem Essay „Nacktheiten“ auf das Moment des Paradiesischen aufmerksam gemacht.

Adam und Eva wurden ihrer Nacktheit erst nach dem Sündenfall gewahr. Dies bedeutet, dass sie ihre Nacktheit im Paradies für so selbstverständlich hielten, dass sie diese als besonderes Phänomen nicht wahrnahmen.

In der Diktion des modernen Theologen Erik Petersen, den Agamben anführt, sei diese paradiesische Nacktheit eigentlich keine gewesen, sondern Unbekleidetheit: „Die Nacktheit wird also bemerkt, während das Unbekleidetsein unbemerkt geblieben war.“[i] Das paradiesische Unbekleidetsein des Menschen ist für den Theologen eine „Bekleidung mit dem übernatürlichen Gewand der Glorie“. Dies korrespondiert mit dem oft bemerkten Eindruck, dass die nackte Haut der Models mit ihrem perfekten Körper und dem entsprechenden Styling, mit ihrem „Bildkörper“ also, wie eine Art Bekleidung, wie eine zweite Haut über der verletztlichen und imperfekten fleischlichen Haut wirkt.

 

[i] Erik Petersen, zit. Nach Agamben  

Heribert Heere

MALER  COLLAGIST  ESSAYIST