Scarlett, 2017, Öl auf Leinwand, 60 x 80 cm

 

Schönheit war lange Zeit tabuisiert in der modernen Kunst. Ihr haftete seit Beginn des 20. Jahrhunderts das Stigma des falschen Scheins einer vergangenen Welt an – sei es der des Feudalismus oder einer als unwahr empfundenen Salonmalerei, die allerdings nur die vielfältigen Facetten der Kultur des 19. Jh. wiedergab.

Weiterhin galt die Darstellung der Schönheit in der avantgardistischen Kunst als kontraproduktiv angesichts der dramatischen technischen, sozialen und kulturellen Umwälzungen in der ersten Hälfte des 20. Jh.

Die wenigen Ausnahmen, wie etwa de Chirico und Dali gerieten selbst mit ihrem Spätwerk in der Ruch des  rückwärtsgewandten bzw. affirmativen „Kitsches“.

Parallel dazu entwickelte sich im Zuge des rasanten technischen Fortschritts von Fotografie und Film sowie der Print-Medien eine Welt des massenmedialen Glamours, die in einem Ausmaß wie nie zuvor Schönheiten kreierte und als Objekte einer massenhaften Begierde zu vermarkten begann.

Nach dem zweiten Weltkrieg sollten sich in der Kunst (erst ziemlich zaghaft) zwei Schönheitskonzeptionen auf der auch kriegsbedingten diesbezüglichen Ödnis entfalten, die allerdings schon vorgeprägt waren: eine spirituell angehauchte abstrakte Schönheit, die mit Mondrian eine universale Idee zu realisieren hoffte und mit Barnett Newman eine fundamental neue Ästhetik schuf, die im sogenannten „Erhabenen“ gipfelte. Zum zweiten begann man zuerst in den USA und England die Produkte der kommerziellen Schönheits- und Werbeindustrie als „zweite Natur“ zu begreifen und sie zum Thema der Kunst zu machen: die POP-ART war geboren und mit ihr der erste Künstler-Superstar: Andy Warhol!

Es sollte allerdings noch einige Jahrzehnte dauern, bis man im Kunstbetrieb kurz vor dem Millenium die Parole: „Beauty Now“ (als Titel einer Wanderausstellung) ausgeben konnte.

Robyn, 2017, Öl auf Leinwand, 100 x 120 cm

 

 

Unser Bikini-Model sitzt auf einem etwas maroden Kahn mitten im unergründlich grün-blauen Uferbereich eines Bergsees, der von Wäldern und Felsen eingerahmt wird. Seltsame farbige malerische Icons und Strukturen umschwirren es. Natürlich ist es direkt den Seiten eines Hochglanzmagazins entsprungen, wie seit der Pop Art und – noch um einiges früher – seit Francis Picabias späten Model-Gemälden nicht unüblich. Durch meine Malerischkeit bekommt die Natur aber etwas Unmittelbares, fast eine Art „natura naturans“. Und ist nicht der von dem Bikini nur knapp verhüllte nackte Körper dieses Beauties nicht auch ein Moment Natur? Körper und Landschaft – ein ganz großes Thema! Natur, Schönheit, und eine gewisse nicht konsumierbare Erotik – umgeben von fast abstrakt-expressiven Pop-Erscheinungen – das versuchte ich hier zusammenzubringen.

Lana, 2016, Öl auf Leinwand, 60 x 80 cm

 

 

 

Storm, 2016, Öl auf Leinwand, 60 x 80 cm

 

Heribert Heere

KÜNSTLER