Die Geschichte von Diana und Aktaion habe ich hier als Thema einer kleinen Wandskulptur genommen, wobei hier der Hirschkopf als Metamorphose Aktaions in Form einer Wachsplastik oben thront. Diese Wachsplastik kann man wie eine Kerze anzünden.

 

Dass Götter spielen ist sozusagen die Bedingung ihrer Existenz: "Sobald die Götter einen eigenen Körper annehmen, pflegen sie diesen, und sie finden ihr Ergötzen daran…Diana spielt wie die anderen Göttinnen ihre Rolle als Frau vollkommen aus. Diana wäscht sich wie die anderen Göttinnen. Doch hat man niemals vernommen, dass Diana die Tiere, die sie erlegt, auch verspreise. Sie ernährt mit ihrem Wildbret die Zyklopen…Wer sind nun diese einäugigen Ungeheuer…? Mindere, weil dem Fleiß und der Arbeit unterworfene, der spielerischen und ewig lächelnden Existenz der Götter dienstbare Energien."[i]

 

Klossowski begreift hier das „Bad der Diana“ als Reinigung von der Berührung mit den irdischen Bedürfnissen und deren Nützlichkeit. Erst im Gewässer findet sie das Prinzip ihrer nutzlosen Heiterkeit wieder. Genau diese reale Illusion der göttlichen Inkarnation wird für Aktaion zum Motiv seiner Vernichtung. Er begreift nicht, dass die Nacktheit der Diana nur eine Gaukelspiel, ein Trugbild – oder genauer gesagt – ein Simulakrum ihrer Inkarnation, ihrer fleischlichen Existenz ist.

 

"Und da alle Figuren, die Klossowski zeichnet und sich in seiner Sprache bewegen lässt, Trugbilder sind, muss man diese Wort in der Klangfarbe verstehen, die wir ihr nunmehr geben können: Scheinbild (im Gegensatz zur Wirklichkeit); Darstellung von etwas (wohin sich diese Etwas übertragen lässt, bekundet, aber auch zurückzieht und in gewissem Sinne verbirgt); Lüge, die ein Zeichen für ein anderes ausgibt; Zeichen für die Gegenwart einer Gottheit (und umgekehrt die Möglichkeit, dieses Zeichen für sein Gegenteil zu halten; gleichzeitiges Erscheinen des Gleichen und des Anderen (simulieren heißt ursprünglich zusammen auftreten). So ergibt sich diese Klossowski eigene, ausnehmend reiche Konstellation: Trugbild, Ähnlichkeit, Gleichzeitigkeit, Vortäuschung und Verstellung."[ii]

 

[i] Pierre Klossowski, Das Bad der Diana, Berlin 1982, S. 21

[ii] Michel Foucault, Die Posa Aktaions, in: Sprachen des Körpers, Berlin 1979, S. 29

Heribert Heere

KÜNSTLER