Wir sehen im hinteren Teil der Skulptur eine Jesus-Figur mit ausgebreiteten Armen, grau lackiert. Daneben sitzt der Fürst der Hölle höchstpersönlich, mit Bocksgehörn und Tiergebein auf einer Art Thron, in einem wahrhaft höllischen Rot gefasst. Davor eine Bonsai-Kiefer in einem grünen Topf in einer grünen Umgebung. Das Paradies vielleicht? Gott wandelte ja dort, bevor er die Menschen schuf, wie es in der Genesis heißt. Ob's da wohl schon den Teufel gegeben hat? In der biblischen Erzählung tritt er erst später in Aktion, in Gestalt der Schlange, die dann mit einem Apfel die Wißbegierde der Eva ködert.

 

In meiner Skulptur schuf Gott aber erstmal zwei Topfußballer im jeweiligen Vereinstrikot. Der eine mit Irokesenschnitt hält den Ball, der bekanntlich rund ist, in der einen Hand und macht mit der anderen eine Geste, die zusammen mit dem offenen Mund wohl eine deutliche Anweisung ausdrückt, wovon sich der gegnerische Spieler im roten Trikot abe unbeeindruckt zeigt. Zwischen beiden ein gruseliger schwarzer zweiköpfiger Höllenhund. Dieser Zerberus scheint sowohl die beiden Kicker auseinanderzuhalten wie auch den Eingang ins vermeintliche Paradies zu bewachen, das sich vielleicht schon bals als die Hölle herausstellen wird und wenns nur die "Hölle von San Siro" ist, wie man die tobende Mailänder Arena bezeichnet.

Wandel der Kulturen – Wandel der Identitäten – Wandel der Phantasmen!

Heute scheinen die Götter nicht mehr, wie noch zu Gilgameschs Zeiten, in ihre Götter-Bilder einzugehen, sondern z.B. in Fußballstars. Gott selbst hält sich bedeckt. Seine letzte Manifestation ist immerhin schon mehr als 2000 Jahre her. Doch dies ist eine andere Geschichte.