Noli me tangere

Noli me tangere 03, 2020, Acryl/Collage

70 x 100 cm

 

 

„Rühr mich nicht an“, „berühre mich nicht“ – evoziert ein Kontaktverbot, ob es sich bei diesem Kontakt nun um Sinnlichkeit oder um Gewalt handelt, es evoziert einen Rückzug, eine verängstigte oder schamhafte Flucht, doch zunächst nichts, was einen eigentlich religiösen oder heiligen und weniger noch einen theologischen oder geistigen Charakter besitzt.“[1] Niemand konnte noch bis vor kurzem wissen, dass allein das Wort „Kontaktverbot“ zu einem der häufigst gebrauchten Terme im öffentlichen Diskurs werden würde

Jean-Luc Nancy macht klar, dass „im Christentum niemand und nichts unberührbar“ ist, da „der Leib Gottes selbst zu essen und zu trinken gegeben wird“[2] Warum darf der auferstandene Körper Jesu nicht berührt werden? Weil es ihn nicht gibt. Dies ist doppeldeutig: Er ist tatsächlich anwesend und doch nicht anwesend. 

 

 

[1] Jean-Luc Nancy, Noli me tangere, Zürich-Berlin 2008, S. 19

[2] Nancy, a. a. O., S. 21