Triumph des Pan

BOOOM; 2020, Öl auf Leinwand, 70 x 100 cm

 

Der antike Gott Pan kann auf eine lange Vergangenheit zurückblicken, die von den frühesten Anfängen der menschlichen Spezies bis zur Moderne reicht. Seine letzte Metamorphose hat er in Peter Pan erreicht und fungiert hier als Junge, der nie erwachsen wird und als Anführer einer Kinderschar mit dem Gegenspieler Captain Hook auf der fiktiven Insel Nimmerland allerlei Abenteuer erlebt. Seine Geschichten, Anfang des 20. Jahrhunderts publiziert, erleben bis heute Neuauflagen und sind auch Gegenstand von Opern, Musicals, Filmen, Pop-Songs und Comics. Diese außerordentlich populäre allegorische Figur einer ewigen Infantilität hat allerdings so gut wie nichts mehr zu tun mit jenem halb tierischen-halb menschlichen Naturdämon der frühen Menschheit. Letzterer hat auch in seiner antiken bocksbeinigen und gehörnten Gestalt das Vorbild für die Gestalt des antichristlichen Teufels abgegeben, der in seiner goetheschen Paraphrase des Mephisto als der Geist fungiert, „der stets das Böse will und stets das Gute schafft“.

Als mythologischer Anführer einer buntgemischten Schar von Faunen und Nymphen ist er nicht nur in einem Gedicht von Stephane Mallarme, dem darauf basierenden Musikstück von Claude Debussy und dem entsprechenden Ballett des Nachmittags eines Fauns, sondern auch in zahlreichen plastischen und malerischen Werken der Bildenden Kunst seit der Antike bis heute verewigt.

Pan war auch der Titel einer Kunst-, Design- und Literaturzeitschrift, die von 1895-1900 in Berlin erschien und die als das wichtigste Organ des Jugendstils gilt. Damit ist der Name des Pan auch mit der Gründergeneration der Moderne verbunden, was gar nicht so selbstverständlich war, galten doch die diversen Faune, Kentauren und sonstigen mythologischen Figuren der Salonmalerei des 19. Jh. eher als Ausdruck einer „Faschingsrenaissance“, wie sie einer der Herausgeber des Pan, Julius Meier-Gräfe, titulierte.

Wenn wir dabei noch gewärtigen, dass Pan und seine Faune zum Gefolge des Dionysos gehören, so wird klar, dass die beiden antiken Ex-Götter eine beispiellose Erfolgsgeschichte des Nachlebens der Antike hingelegt haben, die jene ihrer anderen ehemaligen Götter-Kollegen wie Apollo oder Zeus weit in den Schatten stellt. Lediglich Venus, diese legendäre göttliche Inkarnation der Liebe und der Schönheit, kann da noch mithalten.