Memes

 

Malerei, Collage und GIF: Zwischen analoger Geste und digitaler Meme-Kultur

 

Ich habe sehr lange gezögert, diese meine "Memes" in meiner Website zu veröffentlichen, gibt es doch starke Gründe weltanschaulicher, ideologischer oder spezieller ästhetik-theoretischer Art, die vermeintlich dagegen sprechen.

 

Zum einen scheint meine Transformation von einigen meiner Gemälden in digitale bewegte GIFs einer Wertschätzung der Malerei zu widersprechen. Ich als Maler behaupte das Gegenteil. Gerade die Möglichkeit der Transformation, der Metamorphose über die Zeiten hinweg verdeutlicht die Macht der Malerei - und ihrer verschiedenen Teilbereiche, z.B. der übermalten Collage, wie in meinem Fall.

 

Daraus folgt sich ein zweites Argument. Die kleinen beweglichen GIFs, entwickelt aus statischen Gemälden, scheinen einem oft vertretenem Grundsatz - von Künstlern und Theoretikern - der modernen Kunst zu widersprechen, nämlich dass die moderne Kunst eben keine Narration sei - im Gegensatz zum Film. Abgesehen davon, dass schon seit langem Film und Video Teil der ehemals "Bildenden Kunst" sind, leugnet dieses Verdikt das "Werden", wie es insbesondere für die Moderne konstitutiv ist und kapriziert sich anachronisterweise auf ein absolutes völlig bewegungsloses und irgendwie ewiges "Sein" - was selbstverständlich ein gutes Recht von Künstlerinnen und Künstlern ist - umd gerade dadurch produktiv und kreativ herausfordernd.

 

Bekanntlich ist Kunst schon seit langem das Reich der Möglichkeit - und nicht das oft furchtbare der realen Notwendigkeit.

In diesem Sinne verstehe ich meine "Memes".

 

Memes sind kurze, prägnante visuelle Botschaften, die in sozialen Netzwerken massenhaft geteilt werden. Sie leben von Wiedererkennbarkeit, Reizüberflutung und oft auch einer grotesken Überzeichnung.

Ähnlich arbeiten meine Collagen, Gemälde und Zeichnungen: verfremdete Figuren mit übersteigerten Gesichtsausdrücken, ein hybrides Spiel von Malerei und Fotocutouts, das sich im GIF-Format zu einem übersteigerten, „flackernden“ Eindruck verdichtet. Damit entsteht eine ästhetische Nähe zu den „surreal memes“ des Netzes, die ebenfalls auf Überforderung, Fragmentierung und absurde Komik setzen.

 

Gleichzeitig bleiben die Arbeiten tief in der Tradition analoger Bildproduktion verwurzelt. Der gestische Farbauftrag, die Spuren des Pinsels, die materialhafte Oberfläche der Collage – all das widersetzt sich der glatten Perfektion digitaler Visualität. Doch gerade in der Übersetzung ins GIF-Format entsteht ein spannender Bruch: Das Einmalige, Haptische wird in eine unendliche digitale Schleife gezwungen, die Unikat-Logik der Malerei durch die endlose Reproduzierbarkeit des Netzes ersetzt.

 

Damit verweisen die Arbeiten auf eine Grundspannung der Gegenwartskultur: Die Frage, wie sich individuelle künstlerische Ausdrucksformen in einem digitalen Raum behaupten können, der von massenhaft kopierten, recycelten und überblendeten Bildern dominiert wird. Deine GIFs sind insofern keine „klassischen Memes“, sondern Reflexionen über ihre Logik: Sie übernehmen deren visuelle Übertreibung und schnelle Bildabfolge, setzen aber auf die Materialität der Malerei und Collage.

 

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