Bildwelten

Ausstellung: BILDWELTEN UND CUTIES

U-Bahn Galerie München, Station Universität

07.04. - 30.04. 2026

 

 

Rede, gehalten zur Eröffnung der Ausstellung am 07.04.2026

 

Ich freue mich sehr, euch zur Eröffnung meiner Ausstellung mit neuen Arbeiten an einem etwas ungewöhnlichen, aber recht prominenten Ort, nämlich dem Zwischengeschoß des U-Bahnhofs Universität, begrüßen zu dürfen.

 

Die Welt, die Künstler im Allgemeinen und ich im Besonderen in ihren Werken aufstellen, ist natürlich eine andere als die der unzähligen Genuss-Welten, Duftwelten, Einkaufs-Welten, digitalen Welten, Fitness-Welten, Urlaubswelten, Erlebniswelten, Wellnesswelten etc.

 

In meine Bildwelten treten ihr ein in imaginäre Landschaften, die wie surreale Räume anmuten, in denen sich Figuren, Zeichen und Farbflächen begegnen. Unterschiedlich fragmentierte Sichtweisen stellen sich dar: Organische und anthropomorphe Splitter lagern sich aneinander, ohne sich je ganz zu stabilisieren.

 

Meine Arbeiten können sicher nicht dazu dienen, was Faust sucht, „zu erkennen, was die Welt im Innersten zusammenhält“, aber vielleicht dazu, ästhetische Erfahrungen zu ermöglichen, Räume zu öffnen – visuelle, gedankliche und auch emotionale Räume – in denen

ihr eigene Verbindungen herstellen können, die euch vielleicht zu einem Dialog mit den Bildern führen.

 

Meine „Cuties“ sind ein wichtiger Teil dieser Bildwelten.

 

Cutie-Kunst, oft verbunden mit dem japanischen Kawaii-Stil, ist eine Ästhetik, die Niedlichkeit, große Augen und leuchtende Farben benutzt, um cartoonartige Charaktere zu schaffen.

 

Ich habe diese 15 kleinen kreisförmigen Bilder zu einer Art dekorativem Muster in drei Reihen zu je 5 Bildern gehängt. Sie erkennen Früchte, Gemüse, zwei Kaktusse und einen Fisch, die uns jetzt anlachen, angrinsen – mit einem gewissen Kindchen-Schema. Doch bei mir kippt das Niedliche in Übersteuerung: Figuren, die zu laut lachen, zu groß gucken, zu grell auftreten. Sie sind nicht glatt, nicht sauber und nicht digital perfektioniert. Stattdessen werden sie durch die Malerei aufgeraut, intensiviert, überschrieben. Farben prallen aufeinander, Konturen schwanken, Flächen geraten in Bewegung. Die Figuren erscheinen wie Masken: freundlich und gleichzeitig unheimlich, einladend und doch schwer zu greifen.

 

Gerade diese Überzeichnung und Übermalung macht sichtbar, wie die Bildsprache der „Cuties“ in unserer Gegenwart funktioniert: als schnelle emotionale Abkürzung, als Versprechen von Harmlosigkeit, als visuelle Ware. Ihre scheinbare Einfachheit verweist auf die Bildcodes von Popkultur und Comics.

Doch in meinen Arbeiten wird das Niedliche nicht bestätigt, sondern überdreht, bis es seine eigene Oberfläche sprengt. Die Cuties werden zu Störungen, zu Figuren mit zu viel Energie, zu viel Ausdruck, zu viel Präsenz.

So entstehen Bildräume, in denen sich Humor und Aggression, Spiel und Kontrollverlust, Leichtigkeit und Überforderung überlagern. Diese Cartoonwelt hat ihr eigenes Leben auf einer Bühne, wo das Vertraute plötzlich fremd wirkt – und das Lustige eine dunklere, unruhige Seite bekommt.

 

Ich sehe im Anthropomorphismus (also der Übertragung menschlicher Eigenschaften, Gefühle, Absichten oder Verhaltensweisen auf nicht-Menschliches) dieser weltweiten Verbreitung der Cuties - nicht nur in der Warenästhetik - auch eine, allerdings ironisch gemeinte, Anspielung auf eine "Allbelebung", wie sie in frühen "animistischen" Kulturen geglaubt wurde. So erscheinen dort Tiere und Pflanzen als Transformationen von menschlichen Verwandten.

Dies könnte auf den Begriff des „globalen Dorfs" verweisen, die der Medientheoretiker Marshall McLuhan schon in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts prägte - allerdings durchaus kritisch mit Warnungen vor Totalitarismus und Terrorismus, wie sie in den neuen elektronischen Medien bei falschem Gebrauch angelegt seien.

Heute spricht man vom "digitalen-" und sogar vom "KI-Zeitalter" - mit den zum Teil berechtigten Ängsten. Demgegenüber stelle ich hier mit meinem imaginierten lachenden Gemüse und meinen grinsenden Früchten eine positive Utopie eines nachhaltigen und liebevollen Umgangs mit unserer schönen und teilweise nahrhaften Pflanzenwelt vor.

 

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