Wir leben in einer Welt der Zeichen. Bilder, Symbole, Mythen, Erinnerungen und kulturelle Überlieferungen prägen unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit. Doch diese Zeichen bilden keine geschlossene Ordnung. Sie wandern durch Zeiten und Kulturen, verändern ihre Bedeutungen, begegnen einander in immer neuen Zusammenhängen und eröffnen unvorhersehbare Möglichkeiten der Interpretation.
Gerade darin liegt für mich eine der großen kulturellen Errungenschaften der Postmoderne: die Anerkennung der Heterogenität und die Befreiung der Phantasie von verbindlichen Ordnungen, festgelegten Hierarchien und überkommenen Vorstellungen kultureller Einheit. Die Postmoderne eröffnet dabei einen nahezu unerschöpflichen Raum neuer Bildwelten.
Archaische Masken und digitale Icons, antike Bildformeln und Cartoons, menschliche Gesichter und künstliche Wesen, organische Formen und geometrische Konstruktionen. Augen, Münder, Pflanzen, Sterne, Spiralen und rätselhafte Zeichenfragmente verbinden sich in meinen Arbeiten zu imaginären Konstellationen. Eine Paprika beginnt zu lachen, ein abstraktes Gebilde gewinnt ein Gesicht, ein Auge wird zum kosmischen Zeichen.
Die Zeichen müssen sich nicht zu einer einheitlichen Erzählung zusammenschließen. Sie dürfen widersprüchlich, mehrdeutig, grotesk, komisch oder geheimnisvoll bleiben. Ihre Heterogenität ist eine Quelle ästhetischer Energie.
Auch die Grenzen zwischen Abstraktion und Figuration verlieren ihre Verbindlichkeit. Eine Farbfläche kann zugleich Landschaft, Körper oder Maske sein; eine geometrische Figur erinnert plötzlich an ein Lebewesen. Formen gewinnen gegenständliche Anmutungen und entziehen sich ihnen im nächsten Augenblick wieder. Die Bilder bewegen sich zwischen Erkennbarkeit und Unbestimmtheit, zwischen kultureller Erinnerung und freier Erfindung.
Die unterschiedlichen künstlerischen Verfahren verstärken dieses Spiel. Transparente Aquarellflächen treffen auf kräftige Konturen, spontane malerische Gesten auf zeichenhafte Setzungen, expressive Farbigkeit auf ornamentale Strukturen.
Die postmoderne Phantasie besitzt die Fähigkeit, aus dem kulturell Überlieferten etwas hervorzubringen, das zuvor noch nicht existierte. Die Fragmente bewahren Spuren ihrer Herkunft, gewinnen aber in neuen Konstellationen eine andere Gegenwart.
Ironie und spielerische Leichtigkeit gehören ebenso zu dieser Haltung wie Ernst und die Frage nach den Möglichkeiten menschlicher Weltbildung. Die Komik eines Cartoons kann neben der Würde einer antiken Figur bestehen, das Groteske neben dem Schönen, das scheinbar Banale neben dem Geheimnisvollen.
In diesem Sinne verstehe ich meine künstlerische Arbeit als ein offenes Raum-Zeit-Spiel der Zeichen. Vergangenheit, Gegenwart und imaginierte Zukunft treten in wechselnde Beziehungen. Kulturelle Ordnungen werden nicht einfach verworfen, sondern aus ihren überlieferten Zusammenhängen gelöst und in neue Verbindungen eingefügt. An die Stelle einer einzigen verbindlichen Weltdeutung tritt eine Vielheit möglicher Welten.