„Der wirkliche Zustand des Menschen ist der, wo alles Zeichen ist!“
Mit „Kosmos der Zeichen“ entwickle ich seit vielen Jahren ein künstlerisches Gesamtprojekt, das Malerei, Collage, Zeichnung, Skulptur und kunstphilosophische Texte zu einer neuen Bildsprache verbindet.
Im Zentrum steht die Herausforderung, wie kulturelle Zeichen unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit prägen und wie aus ihrer Fragmentierung, Überlagerung und Neuordnung andere bildnerische Wirklichkeiten entstehen können.
Meine hier chronologisch und thematisch geordneten Arbeiten greifen Zeichen und Bildfragmente aus Kunstgeschichte, Mythologie, Religion, Natur, Populärkultur und digitalen Bildwelten auf und führen sie in vieldeutigen Kompositionen zusammen. Sie verstehen sich als offene Zeichensysteme, in denen Vergangenheit und Gegenwart, Figuration und Abstraktion, Erinnerung und Imagination aufeinandertreffen. Dabei verlieren die überlieferten Zeichen ihre ursprüngliche Bedeutung nicht vollständig. Sie tragen deren Spuren in neue Zusammenhänge hinein und entfalten dort andere, unerwartete Beziehungen.
Der „Kosmos der Zeichen“ ist deshalb kein abgeschlossenes Gesamtkunstwerk, sondern ein fortdauerndes Gesamtprojekt: ein wachsender künstlerischer und kultureller Zeichenfundus, in dem Werke, Werkgruppen und theoretische Reflexionen rhizomatisch miteinander verbunden sind. Zu diesem Projekt gehören auch meine kunstphilosophischen Kurztexte unter dem Titel „Kunstphilosophie der Zeichen“. Sie sollen entsprechende Denk- und Wahrnehmungsräume öffnen.
So entsteht ein vielstimmiges Archiv kultureller und künstlerischer Imagination – ein offener Kosmos, in dem Zeichen nicht nur überliefert und gelesen, sondern verwandelt, neu erfunden und miteinander ins Spiel gebracht werden.
Hegel bemerkte, dass die Kunst in der Moderne (also zu seiner Zeit in der Romantik) ihre höchste Bestimmung nicht mehr in der unmittelbaren Darstellung der Wahrheit erfülle. (1) Während sie für die Griechen noch die bevorzugte Form des Erkennens gewesen sei, werde sie für uns notwendig reflexiv: Sie denke über sich selbst nach.
Mein „Kosmos der Zeichen“ setzt an diesem Punkt an. Ich verstehe die Kunst nicht als Illustration philosophischer Gedanken, sondern als eigenständige Forschung über Bilder, Zeichen und kulturelle Erinnerung. So kann Kunst selbst zu einer Form des Denkens werden.
(1) G.W.F. Hegel, Vorlesungen über die Ästhetik, Einleitung