In meinem „Paradies“ sehen wir von unten nach oben, hierarchisch angeordnet, einen etwas melancholischen Teufel, daneben einen Erzengel Michael, der auf einen gefallenen Engel tritt, mit einer Plüschschlange um seinen Körper, die wir unschwer als die Schlange vom Paradies, die Eva mit dem Apfel verführte, wahrnehmen. Im Mittelteil thront ein bemalter Ken, der Gefährte von Barbi, vor einer Collage aus Hieronymus-Bosch-Spukgestalten, einigen Schweinchen und einem jungen etwas weich aussehenden Mann. Darüber eine Gruppe mit einem Rettungswagen und einer bunt bemalten Figur mit allerlei Gepäck und einer Banknote. Dahinter ein Soldat in Kampfausrüstung neben einer kleinen Zypresse und am rechten Rand ein Totenschädel, aus dem eine Hand aufragt.

Das Paradies scheint mir auch heute, besonders in seinen eher trivialen Ausformungen, ein mächtiger „Mythos des Alltags“ zu sein. Und irdische Paradiese meint man verteidigen zu müssen – wenn nötig, mit Gewalt, wie unser

Soldat unmissverständlich klar macht.

 

Die Figur mit dem Geldschein stellt El Ekeko dar, einen populären Glücksbringer in Bolivien und Peru, der in der dortigen Folklore insbesondere materiellen Wohlstand aus seinem

Füllhorn über die Menschen ausgießen soll. Das irdische Paradies scheint vordergründig eines der Fülle, des Erfolgs und des Wohllebens zu sein. Doch ist seine Grundidee nicht „am Ende aller Tage“ eine eschatologische Heilserwartung mit der Hoffnung auf Rettung und Erlösung, jenseits von Not und Tod?

Dafür steht der Rettungswagen schon bereit, falls wir es mit der Selbsterlösung etwas zu bunt getrieben haben.

Heribert Heere

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