Cutie-Kunst, oft verbunden mit dem japanischen Kawaii-Stil, ist eine Ästhetik, die Niedlichkeit, große Augen und leuchtende Farben benutzt, um cartoonartige Charaktere zu schaffen.
Doch bei mir kippt das Niedliche in Übersteuerung: Figuren, die zu laut lachen, zu groß gucken, zu grell auftreten. Sie sind nicht glatt, nicht sauber und nicht digital perfektioniert. Stattdessen werden sie durch die Malerei aufgeraut, intensiviert, überschrieben. Farben prallen aufeinander, Konturen schwanken, Flächen geraten in Bewegung. Die Figuren erscheinen wie Masken: freundlich und gleichzeitig unheimlich, einladend und doch schwer zu greifen.
Gerade diese Überzeichnung und Übermalung macht sichtbar, wie die Bildsprache der „Cuties“ in unserer Gegenwart funktioniert: als schnelle emotionale Abkürzung, als Versprechen von Harmlosigkeit, als visuelle Ware. Ihre scheinbare Einfachheit verweist auf die Bildcodes von Popkultur und Comics.
Doch in meinen Arbeiten wird das Niedliche nicht bestätigt, sondern überdreht, bis es seine eigene Oberfläche sprengt. Die Cuties werden zu Störungen, zu Figuren mit zu viel Energie, zu viel Ausdruck, zu viel Präsenz.
So entstehen Bildräume, in denen sich Humor und Aggression, Spiel und Kontrollverlust, Leichtigkeit und Überforderung überlagern. Diese Cartoonwelt hat ihr eigenes Leben auf einer Bühne, wo das Vertraute plötzlich fremd wirkt – und das Lustige eine dunklere, unruhige Seite bekommt.
Ich sehe im Anthropomorphismus (also der Übertragung menschlicher Eigenschaften, Gefühle, Absichten oder Verhaltensweisen auf nicht-Menschliches) dieser weltweiten Verbreitung der Cuties - nicht nur in der Warenästhetik - auch eine, allerdings ironisch gemeinte, Anspielung auf eine "Allbelebung", wie sie in frühen "animistischen" Kulturen geglaubt wurde. So erscheinen dort Tiere und Pflanzen als Transformationen von menschlichen Verwandten.
Dies könnte auf den Begriff des „globalen Dorfs" verweisen, die der Medientheoretiker Marshall McLuhan schon in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts prägte - allerdings durchaus kritisch mit Warnungen vor Totalitarismus und Terrorismus, wie sie in den neuen elektronischen Medien bei falschem Gebrauch angelegt seien.
Ich stelle hier mit meinem imaginierten lachenden Gemüse und meinen grinsenden Früchten eine positive Utopie eines nachhaltigen und liebevollen Umgangs mit unserer schönen und teilweise nahrhaften Pflanzenwelt vor.
Cutie art, often associated with the Japanese kawaii style, is an aesthetic that uses cuteness, big eyes, and bright colors to create cartoon-like characters.
But for me, the cuteness veers into excess: figures that laugh too loudly, stare too wide-eyed, and appear too garish. They are not smooth, not clean, and not digitally perfected. Instead, the painting roughs them up, intensifies them, and overpaints them. Colors clash, contours waver, and surfaces come alive. The figures appear like masks: friendly yet eerie, inviting yet elusive.
It is precisely this exaggeration and overpainting that reveals how the visual language of “Cuties” functions in our present: as a quick emotional shortcut, as a promise of harmlessness, as visual merchandise. Their apparent simplicity references the visual codes of pop culture and comics.
Yet in my work, the cute is not affirmed but exaggerated until it bursts through its own surface. The Cuties become disruptions, figures with too much energy, too much expression, too much presence.
This creates visual spaces where humor and aggression, play and loss of control, lightness and overwhelm overlap. This cartoon world takes on a life of its own on a stage where the familiar suddenly seems alien—and the funny takes on a darker, unsettling side.
I see in the anthropomorphism (i.e., the attribution of human characteristics, feelings, intentions, or behaviors to non-human entities) of this worldwide proliferation of the Cuties—not only in commercial aesthetics—an allusion, albeit an ironic one, to an “animism” as believed in early “animistic” cultures. Thus, animals and plants appear there as transformations of human kin.
This could allude to the concept of the “global village”, which media theorist Marshall McLuhan coined as early as the 1960s—though he did so quite critically, warning of the potential for totalitarianism and terrorism inherent in the new electronic media if misused.
With my imagined laughing vegetables and grinning fruits, I present here a positive utopia of a sustainable and loving approach to our beautiful and, in part, nutritious plant world.