Cuties

 

Meine "Cuties" wirken wie aus einem Cartoon-Universum entlaufen, aber sie sind nicht glatt, nicht sauber und nicht digital perfektioniert. Stattdessen werden sie durch die Malerei aufgeraut, intensiviert, überschrieben. Farben prallen aufeinander, Konturen schwanken, Flächen geraten in Bewegung. Die Figuren erscheinen wie Masken: freundlich und gleichzeitig unheimlich, einladend und doch schwer zu greifen. Das Lächeln ist da – aber übersteigert.

 

 

Gerade diese Überzeichnung macht sichtbar, wie stark die Bildsprache der „Cuties“ in unserer Gegenwart funktioniert: als schnelle emotionale Abkürzung, als Versprechen von Harmlosigkeit, als visuelle Ware.  Ihre scheinbare Einfachheit verweist auf die Bildcodes von Popkultur und Comics.

Doch in diesen Arbeiten wird das Niedliche nicht bestätigt, sondern überdreht, bis es seine eigene Oberfläche sprengt. Die Cuties werden zu Störungen, zu Figuren mit zu viel Energie, zu viel Ausdruck, zu viel Präsenz.

So entsteht ein Bildraum, in dem sich Humor und Aggression, Spiel und Kontrollverlust, Leichtigkeit und Überforderung überlagern. Diese Cartoonwelt hat ihr eigenes geheimes Leben auf einer Bühne, wo das Vertraute plötzlich fremd wirkt – und das Lustige eine dunklere, unruhige Seite bekommt.

 

 

Erdbeer-Cutie, 2026, Acryl/Leinwand, O 30 cm

 

Ich sehe im "Anthropomorphismus" der weltweiten Verbreitung der Cuties - nicht nur in der Warenästhetik - auch eine, allerdings ironisch gemeinte, Anspielung an eine "Allbelebung", wie sie in frühen "animistischen" Kulturen geglaubt wurde. So waren dort z.B. Tiere und Pflanzen Transformationen von menschlichen Verwandten.

Dies könnte auf den Begriff des "globalen Dorfs" verweisen, die der Medientheoretiker Marshall McLuhan schon in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts prägte - allerdings durchaus kritisch mit Warnungen vor Totalitarismus und Terrorismus, wie sie in den neuen elektronischen Medien bei falschem Gebrauch angelegt seien.

Heute spricht man vom "digitalen-" und sogar vom "KI-Zeitalter" -  mit den zum Teil berechtigten Ängsten. Demgegenüber stelle ich hier mit meinem imaginierten lachenden Gemüse und meinen grinsenden Früchten und Pflanzen eine positive Utopie eines nachhaltigen und liebevollen Umgangs mit unserer schönen und nahrhaften Pflanzenwelt vor.

 

 

Cuties 02, 2026, Acryl/Öl/Leinwand, 80 x 80 cm

My “Cuties” seem to have escaped from a cartoon universe, but they are not smooth, not clean, and not digitally perfected. Instead, the painting process roughens them up, intensifies them, and overpaints them. Colors clash, contours waver, and surfaces come alive. The figures appear like masks: friendly yet eerie, inviting yet elusive. The smile is there—but exaggerated.

 

It is precisely this exaggeration that reveals how powerfully the visual language of the “Cuties” functions in our present: as a quick emotional shortcut, as a promise of harmlessness, as visual merchandise. Their apparent simplicity refers to the visual codes of pop culture and comics.

Yet in these works, the cute is not affirmed but exaggerated until it bursts through its own surface. The Cuties become disruptions, figures with too much energy, too much expression, too much presence.

This creates a pictorial space in which humor and aggression, play and loss of control, lightness and overwhelm overlap. This cartoon world has its own secret life on a stage where the familiar suddenly seems strange—and the funny takes on a darker, restless side.

 

I see in the “anthropomorphism” of the worldwide spread of the Cuties—not only in the aesthetics of the merchandise—an allusion, albeit an ironic one, to an ‘animism’ as believed in early “animistic” cultures. For example, in those cultures, animals and plants were seen as transformations of human kin.

This could refer to the concept of the “global village”, which media theorist Marshall McLuhan coined as early as the 1960s—though he did so quite critically, warning of the potential for totalitarianism and terrorism inherent in the new electronic media if misused.

Today, people speak of the “digital” and even the “AI age”—with fears that are, in part, justified. In contrast, I present here, with my imagined laughing vegetables and my grinning fruits and plants, a positive utopia of a sustainable and loving approach to our beautiful and nutritious plant world.

 

 

 

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