Diese Collagen entfalten einen vielschichtigen Bildraum, in dem sich religiöse Ikonografie, kunsthistorische Zitate und visuelle Fragmente der Gegenwart überlagern. Ausgangspunkt ist die biblische Erzählung von der Versuchung Christi in der Wüste – ein Moment existenzieller Prüfung, in dem sich das Verhältnis von Geist, Macht und Verführung verdichtet. Doch die Arbeiten belassen es nicht bei dieser theologischen Urszene. Sie öffnen das Motiv hin zu einer kulturellen Langzeitfigur: dem Teufel als Gegenüber, Spiegel und Mitspieler des Menschen.
Im christlichen Denken ist diese Versuchung untrennbar mit dem Problem von Gut und Böse verbunden. Der Teufel erscheint hier nicht als gleichwertige Gegenmacht zu Gott, sondern als gefallener Engel – ein Wesen, das ursprünglich dem göttlichen Licht entstammt und erst durch seinen Abfall zur Figur des Bösen wird. Gerade darin liegt die eigentliche theologische Spannung: Das Böse ist kein eigenständiges Prinzip, sondern eine Verkehrung des Guten, ein Mangel, eine Verzerrung. In der Versuchung Christi wird dieses Paradox sichtbar. Der Teufel tritt nicht mit offenem Schrecken auf, sondern mit scheinbar plausiblen Angeboten – Macht, Sicherheit, Wunder.
