Doree, 1996, Siebdruck auf Acrylglas, 100 x 50 cm
Für die Fotos dieser Siebdrucke auf Acrylglas von 1996 habe ich – noch ganz analog – meine Kamera auf ein Motiv aus einer fashion-Zeitschrift gehalten und diese sukzessive vertikal bewegt. Die so entstandenen Aufnahmen stellen durch leichte Überlappung desselben Gegenstandsbereichs (Nase, Haare, Arme etc.) eine gesplitterte Makrostruktur des Sujets (Model-Körper) dar, sodass aus einem massenhaft produzierten Körper-Zeichen plötzlich eine neuartige Makrostruktur wird.
Doree, 1996, silkscreen on acrylic glass, 100 x 50 cm
To create the photos for these 1996 silkscreens on acrylic glass, I—still using entirely analog methods—held my camera over a subject from a fashion magazine and moved it vertically in a continuous motion. The resulting images, through slight overlaps of the same areas of the subject (nose, hair, arms, etc.), depict a fragmented macrostructure of the subject (the model’s body), so that a mass-produced body image suddenly becomes a novel macrostructure.
Diese Serigrafien auf Acrylglas eröffnen eine Bühne, auf der das Fragmentarische zum eigentlichen Ausdrucksmittel wird. Jede Arbeit oszilliert zwischen Modefotografie, Reklameästhetik und surrealistischer Bildsprache – und gerade in der Zerschneidung, der Verschiebung und der Wieder-Zusammensetzung liegt ihre Kraft. Hier begegnen wir einer Welt, die nicht mehr nahtlos ist, sondern von Brüchen, Spuren und Überlagerungen lebt.
Die Gesichter, Körper und Gesten in diesen Bildmontagen wirken zugleich vertraut und verfremdet. Sie zitieren die Codes der Mode, das Versprechen von Glamour und Schönheit, unterlaufen diese jedoch durch die Fragmentierung in Streifen. Aus dem perfekten Bild der Werbung wird ein irritierendes Puzzle, das seine Konstruktion sichtbar macht. Schönheit wird hier nicht mehr als Ganzes inszeniert, sondern als ein Zusammenspiel von Details – ein Auge, eine Schulter, ein Paar Beine, eine rote Lippe – die in ihrer Wiederholung, Verzerrung und Verschiebung neue Bedeutungen erzeugen.
Die Collagen öffnen Räume zwischen Identität und Oberfläche, zwischen Verführung und Distanz. Sie sind ein Spiel mit dem Blick, mit der Zirkulation von Bildern, wie sie in der Konsumkultur endlos produziert werden. Doch indem sie zerschneiden, überblenden und neu kombinieren, legen sie frei, wie sehr diese Bilder Konstruktionen sind – und zugleich, wie stark ihre sinnliche Macht wirkt, auch im Fragment.
These silkscreen prints on acrylic glass create a stage where the fragmentary becomes the very medium of expression. Each work oscillates between fashion photography, advertising aesthetics, and surrealist imagery—and it is precisely in the cutting, shifting, and reassembly that its power lies. Here we encounter a world that is no longer seamless, but thrives on breaks, traces, and overlays.
The faces, bodies, and gestures in these image montages appear both familiar and alienated. They reference the codes of fashion, the promise of glamour and beauty, yet subvert them through fragmentation into strips. The perfect image of advertising becomes a disorienting Puzzle that reveals its construction. Beauty is no longer staged as a whole, but as an interplay of details—an eye, a shoulder, a pair of legs, a red lip—which, through their repetition, distortion, and displacement, generate new meanings.
The collages open up spaces between identity and surface, between seduction and distance. They are a play on the gaze, on the circulation of images as they are endlessly produced in consumer culture. Yet by cutting, blending, and recombining, they reveal just how much these images are constructions—and at the same time, how potent their sensual power remains, even in the fragment.
Lou, 1996, Siebdruck auf Acrylglas, 100 x 50 cm
Durch Kommerzialisierung und massenhafter Verbreitung durch Fotografie hat der Körper, so Giorgio Agamben, sich vom unartikulierten Schrei des tragischen Körpers ebenso verabschiedet wie von der Stummheit des komischen. Infolge dieser Säkularisierung wird der Körper von seinem theologischen Vorbild – der Mensch als Bild Gottes – befreit und gleicht damit den Körpern der übrigen Menschen. Er bewahrt aber seine Ähnlichkeit zu Gott, wird, in der Diktion Agambens „beliebig“ und verweist als solches „auf das kommende Sein“, denn dieses ist das Sein, das „allgemein beliebt (quodlibet)“.
Lou, 1996, silkscreen on acrylic glass, 100 x 50 cm
Through commercialization and mass dissemination via photography, the body, according to Giorgio Agamben, has bid farewell to both the inarticulate cry of the tragic body and the muteness of the comic. As a result of this secularization, the body is liberated from its theological model—man as the image of God—and thus comes to resemble the bodies of other human beings. It retains, however, its likeness to God; in Agamben’s terminology, it becomes “arbitrary” and, as such, points “to the coming Being,” for this is the Being that is “universally arbitrary (quodlibet).”