Die Serie "Christus" versammelt Collagen, die sich mit der Bildtradition des Christentums auseinandersetzen – mit klassischen Christusdarstellungen der Renaissance. Diese historischen Bilder werden aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang herausgelöst, fragmentiert und in neue visuelle Räume versetzt.
Im Zentrum steht das Gesicht Christi: ein Bild, das über Jahrhunderte hinweg zum Sinnbild für Erlösung, Leid und göttliche Präsenz geworden ist. In den Collagen wird dieses ikonische Motiv mehrfach gebrochen. Teile der Figur verschwinden hinter Farbschichten, werden überlagert oder bedrängt. Die einst geschlossenen religiösen Bilder öffnen sich zu instabilen, widersprüchlichen Bildräumen.
Farbe, Übermalung und Collage greifen bewusst in die Autorität der historischen Bilder ein. Die Gesten erinnern an eine Art visuelle Archäologie: Schichten werden freigelegt, zerstört und neu zusammengesetzt. Das Heilige erscheint dadurch auch als kulturelles Bild, das sich ständig verändert und neu interpretiert werden kann.
Die drei Collagen greifen eines der am stärksten überlieferten Bildmotive des Christentums und der früheren Kunstgeschichte auf: die Kreuzigung. Klassische Darstellungen des gekreuzigten Körpers werden zerschnitten, verschoben und mit fremden Bildwelten konfrontiert — Landschaften, florale Formen, grelle Farbfelder und gestische Spuren. Aus dieser Spannung entsteht ein visuelles Gefüge aus Fragmenten.
Die Kreuzigung erscheint hier nicht nur als religiöses Motiv, sondern als kulturelles Gedächtnisbild. Der vertraute Körper am Kreuz wird zum Träger vieler Schichten: historische Ikonografie, persönliche Bildfragmente, Naturmotive, Zeichen des Eingriffs. Mal überdecken florale Formen das Gesicht, mal brechen expressive Farbstreifen in die Szene ein, mal öffnen sich Landschaften hinter dem Körper wie entfernte Erinnerungsräume.