Meine Collagen der Serien "Apokalypse" und "Hölle" entstehen aus einem Verfahren der malerischen und collagistischen Aneignung, Überlagerung und Transformation. Ausgangspunkt sind Fragmente kunsthistorischer Bildwelten – Details aus Michelangelos Figurenkosmos, aus der monumentalen Bildsprache der "Apokalypse von Angers" sowie aus Hans Memlings Visionen des Jenseits und der Verdammnis. Diese historischen Motive werden nicht zitiert, sondern in einen offenen Prozess des „Remix“ überführt: zerschnitten, isoliert, übermalt, verfremdet und in neue visuelle Zusammenhänge gesetzt.
Das Prinzip des Remix versteht sich hier als gleichzeitige Dekonstruktion und Neuschöpfung. Die ikonischen Körper, Gesichter und Gesten verlieren ihre ursprüngliche narrative Eindeutigkeit und werden zu freien Zeichen innerhalb einer dichten Bildmatrix. Malerei und Collage greifen ineinander: gedruckte Reproduktionen treffen auf gestische Farbspuren, rohe Übermalungen auf ornamental wirkende Fragmente, expressive Setzungen auf kunsthistorische Erinnerung. Die Arbeiten oszillieren zwischen Figuration und Abstraktion, zwischen Erkennbarkeit und Auflösung.
Die apokalyptischen und infernalischen Bildquellen dienen dabei weniger einer religiösen Erzählung als der Untersuchung existenzieller Zustände: Angst, Verwandlung, Ekstase, Zerfall und Überreizung. In den deformierten Gesichtern, den isolierten Gliedmaßen und den überlagerten Räumen erscheint der menschliche Körper als Speicher kultureller und emotionaler Projektionen. Die historischen Darstellungen von Gericht, Chaos und Verdammnis werden in eine gegenwärtige Bildsprache überführt, die von Fragmentierung, medialer Überfülle und visueller Beschleunigung geprägt ist.
Durch das Übereinanderschichten unterschiedlicher Zeiten und Stile entstehen hybride Bildräume, in denen Vergangenheit und Gegenwart simultan erfahrbar werden. Die Arbeiten bewegen sich zwischen archaischer Wucht und popartiger Direktheit, zwischen sakraler Ikonografie und zeitgenössischer Bildstörung. Der Remix wird so zu einer Methode, kunsthistorische Autorität aufzubrechen und die tradierten Bilder von Apokalypse und Hölle als offene, wandelbare und hochaktuelle Zustände neu lesbar zu machen.