Endspiel

Wir sehen im hinteren Teil der Skulptur eine Jesus-Figur mit ausgebreiteten Armen. Daneben sitzt der Fürst der Finsternis höchstpersönlich, mit Bocksgehörn und Tiergebein auf einer Art Thron, in einem wahrhaft höllischen Rot gefasst. Davor eine Bonsai-Kiefer in einem grünen Topf in einer grünen Umgebung. Das Paradies vielleicht? 

In meiner Skulptur schuf Gott aber erstmal zwei Topfußballer im jeweiligen Vereinstrikot. Der eine mit Irokesenschnitt hält den Ball, der bekanntlich rund ist, in der einen Hand und macht mit der anderen eine Geste, die zusammen mit dem offenen Mund wohl eine deutliche Anweisung ausdrückt, wovon sich der gegnerische Spieler im roten Trikot aber unbeeindruckt zeigt. Zwischen beiden ein gruseliger schwarzer zweiköpfiger Höllenhund. Dieser Zerberus scheint sowohl den Eingang in die Unterwelt wie auch ins vermeintliche Paradies zu bewachen, in dem die beiden Kicker schon längst angekommen sind. 

So sicher natürlich die Präsenz von Fußballern die Deutung des Titels in eine andere Richtung führt, so unüberhörbar ist andererseits der Beckett-Anklang. Ob damit noch etwas geschehen soll? Nun ist in Becketts Endspiel bereits alles entschieden, während hier doch wieder die Bedeutung einer entscheidenden Begegnung zu überwiegen scheint, woran auch die beiden metaphysischen Kontrahenten wesentlichen Anteil haben. Bezeichnenderweise sind Christus und Satan wie die Spieler in Blau und Rot eingefärbt: Sind das bloße Fanfarben, oder haben wir es mit am Spiel Beteiligten oder gar mit Mannschaftkapitänen zu tun?