Profane Mythen

 

Roland Barthes hat in seinen "Mythen des Alltags" gezeigt, dass der Mythos nicht ausschließlich historisch ist und nur in frühen Kulturen zu finden sei, sondern dass er in der Gegenwart in den verschiedensten Strukturen erscheint. Diese neuen Mythen sind durch eine Entleerung der primären Bedeutung und durch eine Aufwertung von allem Möglichen bestimmt: ein konfuses Wissen mit unbestimmten, unbegrenzten Assoziationen. Diese neuen Mythen haben den Charakter einer Aufforderung oder einer Anrufung. Sie geben sich als Natur aus und sind doch ausschließlich im Reich der Zeichen beheimatet. Dabei geht es weniger um Fakten und Informationen als um Sehnsüchte, Ängste, Wünsche und Versprechungen, die am besten in alternativen Welten, in Möglichkeitsträumen mit affektiven, ideologischen und vor allem ästhetischen Strukturen zur Geltung kommen. Zudem macht die Entleerung des Realen Platz für affektive Besetzungen. 

Das von Barthes so beschriebene sekundäre Zeichensystem der von mir als „Profane Mythen“ bezeichneten Strukturen ermöglicht nun die Produktion von Gefühlen, wobei oft scheinbar spielerische, komische, parodistische, aber auch groteske Züge zum Tragen kommen.

In meine "profanen Mythen" spielen deutlich karnevalistische-, aber auch Horror-Momente hinein (was nicht unbedingt ein Gegensatz sein muss).

Diese metaphorischen "profanen Mythen" können als entsprechende Re-Mythisierungen infolge eines Umschlags von Aufklärung in Mythos aufgefasst werden, wie es Adorno/Horkheimer in ihrer "Dialektik der Aufklärung" beschrieben haben.

Im Gegensatz zu den weit verbreiteten alltäglichen Mythen, die oft auf einem Irrglauben beruhen und sich als falsch erweisen, sind die "Profanen Mythen", um die es hier geht, Teil unserer kollektiven Einbildungskraft.

 

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