Fegefeuer

 

In „Purgatorio“, dem mittleren Teil von Dantes „Divina Commedia“, steigt der Dichter durch sieben Terrassen des Läuterungsbergs empor. Jede Ebene steht für eine der sieben Todsünden, und die Seelen, die dort büßen, sind auf dem Weg zur Erlösung. Das Fegefeuer ist also kein Ort ewiger Verdammnis, sondern einer der Hoffnung, Reinigung und spirituellen Entwicklung.

Im Gegensatz dazu zeigt „Fegefeuer“ eine grelle, groteske Szene voller Widersprüche: Die Figuren scheinen im Feuer zu erstarren – nicht als Pilger auf dem Weg zur Erlösung, sondern als gefangene Archetypen unserer Zeit. Sie wirken nicht im Begriff, geläutert zu werden, sondern eher in einem zynischen Stillstand gefangen.

 

Die mittelalterlichen Strukturen Dantes lösen sich auf in ein absurdes, buntes Spektakel aus Religion, Medien, Alltag und Spektakel. So gesehen ist mein Werk eine Art postmodernes „Gegen-Purgatorio“: Ein Ort, an dem keine Seele mehr weiß, wofür sie büßt – oder ob das überhaupt noch eine Rolle spielt.

Diese groteske Plastik wirkt wie ein greller ironischer Spiegel unserer heutigen Wertewelt: moralischer Eifer, Verdammung, und ein Hauch Trash-TV treffen auf religiöse Bildsprache und Konsumästhetik.

 

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