Versuchungen des hl. Antonius

Die Collagenserie „Die Versuchungen des hl. Antonius“ steht in einem bewussten Dialog mit jener Lesart, die Michel Foucault in seinem Nachwort zu Gustave Flauberts "Die Versuchung des hl. Antonius" entfaltet hat. Foucault versteht Flauberts Text nicht als religiöse Erzählung oder psychologisches Drama, sondern als einen Ort der Überfülle: als ein Theater der Bilder, Diskurse und Wissensformen, in dem sich Mythologie, Theologie, Wissenschaft, Aberglaube und Begehren ohne Hierarchie und ohne Auflösung begegnen.

Die Versuchung, so Foucault, liegt nicht im moralischen Fehltritt, sondern in der unaufhörlichen Verfügbarkeit von Bildern und Erklärungen. Antonius ist kein souveräner Asket, sondern ein Zeuge eines Bildsturms, der sich seinem Denken aufdrängt. Er wird nicht geprüft, sondern überflutet.

Diese Perspektive prägt die vorliegenden Arbeiten. Der heilige Antonius erscheint hier nicht als stabiler Bildträger, sondern als Figur in fortwährender Auflösung: Prophet, Greis, Gott, Maske, Fragment. Seine Autorität wird immer wieder aufgerufen, um im nächsten Moment übermalt, zerschnitten, blockiert oder ironisch unterlaufen zu werden. Die Collage fungiert dabei nicht als dekoratives Verfahren, sondern als strukturelle Analogie zu Flauberts Text: Addition ohne Ordnung, Nähe ohne Synthese.

 

 

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