Die kleinformatigen, runden Cutie-Gemälde bedienen sich einer Bildrhetorik, wie man sie aus der Pop Art kennt: ikonische Vereinfachung, hohe Farbintensität, serielle Motivbildung und die rhetorische Direktadressierung des Blicks. Alltägliche Motive – Frucht, Blumentopf, Pflanze, Fisch – werden in prägnante Zeichen transformiert. Augenpunkte, Mundkurven und Konturlinien fungieren als minimale semantische Marker, durch die Objekte in adressierbare Bildsubjekte kippen. Das Bild wird zum Emblem, zur visuellen Aussageform mit unmittelbarer Lesbarkeit.
"Nicht-positive Affirmation"
Doch diese Übernahme pop-affiner Strategien vollzieht sich nicht als glatte Zustimmung zur Logik des populären Zeichens. Vielmehr arbeiten die Gemälde mit einer Form der Affirmation, die sich im Sinne von Foucaults "Vorrede zur Überschreitung" als "nicht-positive Affirmation" beschreiben lässt: ein Bejahen ohne Festschreibung, ein Mitvollzug ohne Stabilisierung. Die Bildsprache des Niedlichen, Konsumierbaren, Ikonischen wird aufgegriffen – aber nicht normativ geschlossen.
Entscheidend ist hier die malerische Faktur. Der pastose Farbauftrag, sichtbare Überarbeitungen, zitternde Konturen und materielle Verdichtungen stören die poptypische Glätte des Zeichens. Was rhetorisch nach Logo, Sticker oder Icon aussieht, wird materiell wieder geöffnet. Die Zeichenhaftigkeit wird affirmiert, aber ihre Reinheit überschritten. Das Bild sagt nicht „so ist es“, sondern „so erscheint es — im Vollzug“.
In foucaultschem Sinne wäre dies eine Affirmation, die nicht gründet, sondern exponiert. Die Niedlichkeit wird nicht ironisch gebrochen, aber auch nicht ideologisch gesichert. Sie bleibt riskant, offen, leicht überdehnt. Gerade das Lächeln der Figuren funktioniert nicht als Garantie von Harmlosigkeit, sondern als Schwellenform: zwischen Einladung und Überzeichnung, zwischen Nähe und Fremdheit.
Die Serialität der Werkgruppe verstärkt diesen Effekt. Wiederholung erzeugt hier keine Norm, sondern Variation. Jedes Bild wiederholt die rhetorische Figur des anthropomorphen Zeichens, doch jede malerische Ausführung verschiebt deren Stabilität. So entsteht eine Praxis der Überschreitung im Kleinen: innerhalb desselben Vokabulars, aber ohne endgültige Festlegung seiner Bedeutung.
Projektionsflächen
Inhaltlich oszillieren die Arbeiten zwischen Niedlichkeit („Cute“) und einer latenten Irritation. Die lächelnden Gesichter fungieren weniger als Ausdruck konkreter Emotionen denn als Projektionsflächen. Sie erzeugen Affekt, ohne ihn eindeutig festzulegen. Damit knüpfen die Bilder an Diskurse um das „Cute“ als ästhetische Kategorie an, die nicht nur Harmlosigkeit, sondern auch Kontrolle, Verletzlichkeit und Ambivalenz einschließt.
Als Gruppe gelesen, bilden die Gemälde kein narratives Ensemble, sondern ein loses System verwandter Zeichen. Ihre Serialität betont Wiederholung und Variation, wodurch individuelle Unterschiede innerhalb eines klar umrissenen visuellen Vokabulars sichtbar werden. Die Arbeiten behaupten keine ironische Distanz, sondern nehmen ihre eigene Einfachheit ernst – eine Haltung, die im zeitgenössischen Kontext als bewusste Entscheidung gelesen werden kann: gegen Zynismus, gegen Übercodierung, zugunsten einer direkten, affektiven Bildsprache.