Imaginäre Landschaften

 

Die "Landschaften" dieser Werkgruppen entstehen aus Fragmenten. Fotografische Ausschnitte, malerische Gesten und collagierte Zeichen fügen sich zu Bildräumen, die weder reale Orte dokumentieren noch reine Phantasien sind. Sie sind Rekonstruktionen einer Welt, die nur noch bruchstückhaft zugänglich erscheint.

 

Das Fragment besitzt dabei eine doppelte Bedeutung. Es ist zunächst ein künstlerisches Prinzip: Aus einzelnen Bildteilen entsteht eine neue Wirklichkeit, deren Einheit nicht vorgegeben ist, sondern erst im Sehen entsteht. Zugleich verweist das Fragment auf den Zustand der Natur selbst. Angesichts ökologischer Zerstörung, des Artensterbens und der fortschreitenden Umgestaltung unserer Lebensräume begegnet uns Natur immer häufiger als etwas Unterbrochenes, Zerschnittenes und Gefährdetes. Die unberührte Landschaft allerdings ist eine Chiffre der Natur, die erst seit der Romantik von den Malern "entdeckt" wurde.

 

Die Collage wird so zu einer Form der ökologischen Reflexion. Sie versucht nicht, eine verlorene Ganzheit nostalgisch wiederherzustellen, sondern macht sichtbar, dass wir Natur heute aus Resten, Erinnerungen und Zeichen zusammensetzen. Gerade in dieser Brüchigkeit liegt jedoch die Möglichkeit einer neuen Wahrnehmung. Die Fragmente bewahren Spuren des Lebendigen und eröffnen imaginäre Räume, in denen Natur nicht als Besitz oder Ressource erscheint, sondern als verletzliches Gegenüber.

 

„Imaginäre Landschaften“ verstehen das Fragment deshalb nicht als Zeichen eines endgültigen Verlustes, sondern als Ausgangspunkt einer neuen Bildsprache. Aus den Bruchstücken einer bedrohten Welt entstehen Bilder, die Erinnerung, Hoffnung und künstlerische Imagination miteinander verbinden. Die Collage wird zu einer ästhetischen Form der Bewahrung: Sie sammelt, was zu verschwinden droht, und entwirft zugleich Möglichkeiten einer zukünftigen Beziehung zwischen Mensch und Natur.

Das Fragment ist bei in meinem Werk nie bloß ein Überrest, sondern der Keim einer neuen Wirklichkeit. Gerade weil die Landschaft zerbrochen erscheint, kann sie im Bild (und hoffentlich auch in Wirklichkeit) eine neue, offene und zukunftsgerichtete Form gewinnen.

Trotzdem sehen wir in die Natur immer etwas hinein - etwas mehr oder weniger "Kosmetik" (abgeleitet vom griechischen kosmos, der eine geordnete, harmonische Ordnung der Welt fingiert.)

 

Heribert Heere

KÜNSTLER

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