Wunderland der Zeichen

"Der wirkliche Zustand des Menschen ist der, wo alles Zeichen ist." Robert Musil  

 

Mit meinen Arbeiten fallen wir wie Alice in ein Wunderland. Doch unser Kaninchenbau führt nicht in eine fantastische Gegenwelt, sondern mitten hinein in die Welt, in der wir längst leben: eine Welt der Bilder, Zeichen, Symbole, Erinnerungen und kulturellen Fragmente.

 

Hier gelten andere Regeln. Zeiten geraten durcheinander, Maßstäbe verschieben sich, Bedeutungen wechseln ihren Ort. Eine Figur der Renaissance kann einem Cartoon begegnen, eine archaische Maske einem Emoji, ein antiker Gott einer Comicfigur. Pflanzen bekommen Gesichter, Dinge beginnen uns anzusehen, Schönheit kippt ins Groteske und das Vertraute wird plötzlich fremd.

 

Wir sind in einer Welt, in der es scheinbar merkwürdige Ordnungen der Wirklichkeit gibt. Bilder werden zu Rätselspielen, Identitäten werden unsicher, Größenverhältnisse verändern sich und hinter jeder scheinbaren Gewissheit öffnet sich eine neue Frage. Seit den Höhlenmalereien erschafft der Mensch Bilder, Symbole und Erzählungen, um sich in der Welt zu orientieren. Doch diese Zeichen bleiben niemals unverändert. Sie wandern durch Zeiten und Kulturen, werden zitiert, vergessen, wiederentdeckt, übermalt, verfremdet und neu zusammengesetzt.

 

Meine Gemälde, Collagen, Aquarelle, Zeichnungen und Skulpturen bewegen sich in diesem unüberschaubaren Bilderreich. Renaissance und Pop, Mythos und Cartoon, Maske und Cutie, Abstraktion und Figuration, Kunstgeschichte und digitale Bildwelt begegnen einander ohne feste Hierarchie. Fragmente verlieren ihre ursprünglichen Zusammenhänge, ohne ihre Erinnerung vollständig abzustreifen. Gerade daraus entstehen neue Beziehungen und überraschende Bedeutungen.

Das Wunderland der Zeichen ist deshalb kein geschlossenes Weltbild. Es gleicht eher einem Labyrinth, einem Spielplatz oder einem Kaninchenbau mit immer neuen Abzweigungen. Hinter jedem Bild wartet ein anderes Bild, hinter jedem Zeichen ein weiteres Zeichen.

Und vielleicht geht es uns darin ähnlich wie Alice: Je weiter wir vordringen, desto weniger selbstverständlich erscheint die Wirklichkeit – und desto wunderbarer wird sie.

 

Mein Kosmos der Zeichen ist der Versuch, die Welt als Geflecht von Zeichen zu begreifen. Seit den Höhlenmalereien der Vorzeit erschafft der Mensch Bilder, um Erfahrungen, Hoffnungen, Ängste und Erinnerungen sichtbar zu machen. Kunst war und ist ein kulturelles Zeichensystem, allerdings mit großen Unbestimmbarkeiten. 

 

Meine Gemälde, Collagen, Zeichnungen und Skulpturen zerlegen die überlieferten Bildsprachen und setzen sie neu zusammen. Figuren, Gesichter, Pflanzen, Früchte, Tiere, geometrische Formen, Fragmente klassischer Kunst, Comic-Elemente, abstrakte Zeichen und malerische Gesten begegnen einander gleichberechtigt. Nichts besitzt eine endgültige Bedeutung; jedes Motiv verweist auf andere Bilder, Erinnerungen und kulturelle Zusammenhänge.

 

Unterschiedliche Zeiten, Medien und Bildtraditionen überlagern sich: archaische Zeichen neben Popkultur, Renaissance neben Cartoon, expressive Malerei neben digitaler Collage, persönliche Erinnerung neben kollektiver Ikonographie. Aus diesen Überlagerungen entsteht kein geschlossenes Weltbild, sondern ein offenes Bedeutungsfeld von Bildwelten, die ab und zu auch schrille Töne beinhalten.

 

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