Gott

 

 

Die Collagen der Serie „Gott“ greifen auf eines der mächtigsten Bildarchive der europäischen Kunst zurück: auf Christusbilder, Auferstehung, Passion und Beweinung, auf Heiligenschein, Segensgestus und die Pathosformeln von Schmerz, Tod und Erlösung. Doch diese über Jahrhunderte tradierten Bilder erscheinen nicht mehr in der Geschlossenheit ihres ursprünglichen religiösen Zusammenhangs. Sie werden ausgeschnitten, vergrößert, übermalt und mit Fragmenten anderer Bildwelten konfrontiert.

Dabei bleibt die christliche Ikonographie deutlich erkennbar. Gerade diese Wiedererkennbarkeit macht die Verschiebung wirksam. Christus erscheint monumental und zugleich fragmentiert; sein Gesicht kann das Bild beherrschen, während sein Körper verschwindet. Auferstehung und Transzendenz begegnen comicartigen Figuren, technischen Apparaturen, grellen Farben und abstrakten malerischen Gesten. Die Beweinung Christi steht unvermittelt neben Bildern einer profanen, medialen Gegenwart. Die historische Distanz zwischen den Zeichen wird aufgehoben: Renaissance, mittelalterliche Frömmigkeit, Pop und Comic existieren gleichzeitig auf derselben Bildfläche.

 

 

Chartres, 2025, GIF
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