Die große, dunkel gefasste „afrikanische Maske“ in meiner Skulptur ist ein modernes kunstgewerbliches Produkt. Die beiden anderen Masken sind bemalte Souvenirs von antiken Stätten. Dadurch geraten Original und Nachahmung, Geschichte und Gegenwart, kulturelles Zeichen und touristische Ware in eine spannungsreiche Konstellation.
Mitten in diese Welt der Masken ist ein banaler Coffee-to-go-Becher gestellt. Er gehört einer weiteren Zeichenordnung an: der Welt des Konsums und seiner Wegwerf-Problematik.
Die Souvenirs sind transportable Erinnerungsstücke und verweisen auf die kulturelle Vergangenheit. Zwischen vermeintlich „archaischer“ Maske, Antikensouvenir und Wegwerfbecher entsteht so eine irritierende Nähe.
Die pastosen Farbmassen verbinden diese heterogenen Dinge zu einer beinahe eruptiven Bildlandschaft. Kunstobjekt, Souvenir, Konsumrest und Maske behalten ihre Verschiedenheit und werden zugleich Bestandteile einer neuen Assemblage.
Rückseite
Erst beim Umschreiten der Skulptur zeigt sich eine weitere Zeitschicht. Hinter der großen Maske befindet sich die übermalte Figur des heiligen Franziskus, ein Relikt einer früheren Fassung der Arbeit, in der christliche Zeichen noch eine andere Rolle spielten. Die Figur habe ich nicht entfernt, sondern in die neue Skulptur aufgenommen. Sie bleibt teilweise verborgen und dient zugleich ganz materiell als Stütze der Maske.
Die Skulptur funktioniert hier wie ein Palimpsest – frühere Bedeutungen bleiben unter und hinter den gegenwärtigen sichtbar. Gerade Franziskus, dessen Bildtradition mit Armut, Einfachheit und einem Gegenentwurf zum Besitz verbunden ist, gerät dabei in eine eigentümliche Nachbarschaft zu Konsum, Souvenir und Wegwerfbecher.
Die dekorative moderne Kordel ist von mir beigefügt. Sie ist Befestigung und Zeichen zugleich: Vergangenheit und Gegenwart werden provisorisch aneinandergebunden.
Afrika-Imagination, Dekolonisierung, Antike, Christentum, Konsum, kulturelles Gedächtnis, Wegwerfgesellschaft, Pathos und Komik können Bedeutungen dieser Arbeit sein.