„Ich bin ein Teil von jener Kraft,
die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“
— Goethe, Faust I
Die Collage-Serie „Christus und der Teufel“ inszeniert keine einfache Gegenüberstellung von Gut und Böse. Christus und seine dämonischen Gegenspieler erscheinen vielmehr als Figuren eines gemeinsamen Bildraums, in dem sich Heil und Verdammnis, Schönheit und Monstrosität, Opfer und Gewalt gegenseitig durchdringen. Goethes berühmte Selbstbeschreibung Mephistos liefert dafür einen Schlüssel: Das Böse ist nicht bloß der negative Gegenpol des Guten.
Christus erscheint als Schmerzensmann, Gekreuzigter, Erlöser und beinahe schon als Maske seiner selbst; ihm treten Teufel, Dämonen und groteske Mischwesen aus unterschiedlichen Epochen der Kunstgeschichte gegenüber. Doch diese Figuren überlagern einander, dringen in fremde Bildräume ein, verdecken Körper und werden selbst von malerischen Gesten, Linien und ausgeschnittenen Fragmenten durchschnitten. Das Prinzip der Collage hebt die klare theologische Ordnung auf: Himmel und Hölle werden zu einem einzigen heterogenen Bildfeld.
Gerade darin erhält das Faust-Zitat seine ästhetische Bedeutung. Mephistos bezeichnet sich als „Teil“ einer Kraft. Auch die Figuren dieser Collagen sind stets nur Teile: ausgeschnittene Körper, Köpfe, Wunden, Flügel, Hörner, Architekturen und Farbfelder. Das Fragmentarische der Collage entspricht damit der mephistophelischen Dialektik. Kein Zeichen besitzt seine Bedeutung mehr aus sich allein. Christus verändert den Teufel, sobald beide im selben Bild erscheinen – und der Teufel verändert umgekehrt die Erscheinung Christi. Das Heilige gewinnt seine Sichtbarkeit erst vor dem Hintergrund seiner möglichen Negation.
Dabei wird das Böse keineswegs verharmlost. Die Bilder bewahren die drastische Körperlichkeit der christlichen Passion: Blut, Wunden, gequälte und deformierte Körper stehen neben den grotesken Körperphantasien der Dämonen. Auffällig ist jedoch, wie nahe sich beide Bildwelten formal kommen. Der geschundene Leib Christi und der monströse Körper des Teufels überschreiten gleichermaßen die Vorstellung eines unversehrten, harmonischen Körpers. Passion und Monstrosität sind verschiedene Formen einer Grenzüberschreitung.