Masken und Maskenhaftes bildeten schon immer einen Bestandteil meines künstlerischen Werks.
In diesen Themenschwerpunkt zeige ich neue Arbeiten zu diesem Thema.
Das Verborgene ist zunächst der Maskenträger, vor allem dessen Gesicht. Doch phänomenologisch reicht die Struktur weiter. Mit dem Gesicht verschwinden Identität, Individualität und Ausdruck. Die Maske entzieht denjenigen, der sie trägt, dem unmittelbaren Zugriff des Blicks.
Dabei entsteht ein eigentümliches Paradox: Das Verborgene wird durch seine Verbergung gegenwärtig. Gerade weil ich das Gesicht nicht sehe, denke ich an das Gesicht hinter der Maske. Das Unsichtbare ist also keineswegs abwesend. Es erhält vielmehr durch die sichtbare Maske eine besondere Form der Anwesenheit.
Die Maske produziert eine Präsenz des Abwesenden.
Die Maske präsentiert sich selbst: Sie ist als sichtbares Ding oder als bildliche Erscheinung unmittelbar da.
Gleichzeitig repräsentiert sie einen Gott, einen Toten, einen Charakter, einen Mythos, einen psychischen Zustand, eine kulturelle Rolle oder auch nur die Möglichkeit eines verborgenen Anderen.
Innerhalb eines Kosmos der Zeichen erhält die Maske eine noch grundsätzlichere Bedeutung. Sie ist nicht einfach ein Zeichen unter anderen, sondern geradezu ein Zeichen für das Funktionieren von Zeichen.
Denn jedes Zeichen besitzt eine ähnliche Doppelstruktur: Es ist selbst wahrnehmbar und verweist zugleich über sich hinaus.
Ein Bild besitzt Farbe und Form und verweist zugleich auf andere Bilder, Dinge und Vorstellungen.
Doch die Maske radikalisiert diese Struktur, weil sie das Verhältnis zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem selbst thematisiert.
Sie zeigt und verbirgt gleichzeitig.
Die Maskenlosigkeit der modernen Architektur im Gegensatz zur früheren Architektur von der Antike bis weit ins 19. Jh. kontrastiert mit einem Übermaß an Maskierungen in der digitalen Welt.
Einerseits erscheint unsere Welt als maskenlos, transparent und funktional – andererseits werden heute Identitäten durch viele künstliche Gesichter, Avatare, Emojis, Filter und Bilder vermittelt. Meine Maskenarbeiten greifen diese Verschiebung auf. Archaische, antike und moderne Masken erscheinen darin nicht nur als historische Zitate, sondern als Bilder einer Gegenwart, in der das Maskenhafte sogar allgegenwärtig geworden ist.