Collagen

 

Die drei Collagen kreisen um ein gemeinsames Thema: die Maske als kulturelles Zeichen und die Konfrontation historischer Bildwelten mit den materiellen Resten der Gegenwart. Antike, Kunstgeschichte, Popkultur und Konsumgesellschaft erscheinen nicht als voneinander getrennte Epochen, sondern begegnen sich gleichzeitig auf einer Bildfläche.

 

In „Commedia“ treten antike Masken von Tragödie und Komödie monumental hervor. Ihre über Jahrhunderte tradierten Ausdrucksformen – Schrecken, Staunen, Lachen – treffen unmittelbar auf einen realen Berg aus Verpackungen und Plastikmüll. Besonders die rote Chipstüte drängt sich wie eine dritte, zeitgenössische Maske zwischen die beiden antiken Gesichter. Das Flüchtige und Weggeworfene erhält dieselbe bildliche Präsenz wie das kulturell Überlieferte: eine Komödie des Konsums? 

 

„Persona 02“ verschiebt das Thema stärker auf die Frage nach Gesicht und Identität. Mehrere Gesichtsformen überlagern und durchdringen sich: Maske, Auge, Mund, ornamentale und abstrakte Formen. Ein einzelnes Auge erscheint innerhalb einer weiteren maskenhaften Form; darunter blickt eine frontal gesetzte, fast archaisch wirkende Persona (lateinisch: "Maske) den Betrachter an. Das Gesicht ist hier keine stabile Einheit mehr. Es zerfällt in Zeichen, Fragmente und Rollen. „Persona“ verweist dabei auf die alte Verbindung von Maske, Rolle und Person. 

 

In „Transfiguration des Mülls“ wird diese Konfrontation radikalisiert. Eine archaische Maske steht einem realen Müllberg gegenüber; darunter erscheinen Fragmente der Kunstgeschichte und kleine Figuren der gegenwärtigen Pop- und Warenkultur. Der Titel spielt bewusst mit dem religiösen Begriff der "Verklärung". So ist die Figur links der "Verklärung Christi" von Raffael entnommen. Sie zeigt im Original den Apostel Jakobus, der angesichts der überirdischen Erscheinung Christi zurückweicht, um sich gegen das blendende Licht schützen.

 

Doch hier wird nichts in eine höhere, transzendente Sphäre erhoben. An die Stelle des verklärten Körpers tritt der Abfall der Konsumgesellschaft. Der Müll wird nicht ästhetisch erlöst: Seine aufdringliche Materialität, seine Banalität und seine ökologische Problematik bleiben sichtbar. Dadurch erhält er eine verstörende ikonische Präsenz.

 

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