Rhizom-Ästhetik

 

Deleuze und Guattari setzen dem hierarchischen Modell des „Baums des Wissens“ das Rhizom entgegen: ein Geflecht ohne Zentrum, Ursprung und feste Hierarchie, in dem heterogene Elemente immer neue Verbindungen eingehen können. Übertragen auf die Kunst bedeutet dies eine Ästhetik des Fragments, der Collage, der Vieldeutigkeit und der offenen Verknüpfung.

Die Rhizom-Ästhetik löst Zeichen aus ihren ursprünglichen Zusammenhängen und bringt sie in neue Konstellationen. Dabei verschwindet ihre Herkunft nicht vollständig: Jedes Fragment bewahrt Spuren früherer Bedeutungen, wird jedoch durch seine Verbindung mit anderen Bildern, Formen und kulturellen Codes neu lesbar. Das Kunstwerk erscheint deshalb nicht mehr als geschlossenes Ganzes, sondern als temporärer Knotenpunkt in einem potentiell unendlichen Netzwerk kultureller Zeichen.

Auch die Moderne lässt sich aus dieser Perspektive weniger als lineare Abfolge von Epochen – Moderne, Postmoderne, Spätmoderne – verstehen denn als Nebeneinander und Überlagerung verschiedener Plateaus und Intensitäten. Frühere Formen verschwinden nicht, sondern können jederzeit wieder aufgenommen, transformiert und mit gegenwärtigen Bildwelten verbunden werden.

In meinem „Kosmos der Zeichen“ wird dieses Prinzip zum künstlerischen Verfahren: antike und christliche Bildtraditionen, Mythen, Masken, Pop, Cartoons, Konsumzeichen und digitale Bildwelten begegnen einander ohne übergeordnete Hierarchie. Kunst wird so zum spielerischen Netzwerk kultureller Zeichen, in dem Bedeutung nicht endgültig feststeht, sondern im Zusammenspiel der Fragmente immer wieder neu entsteht.

 

 

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