In der Werkreihe „Cuties“ kippt das Niedliche manchmal in eine Zone, in der es nicht mehr nur um Charme und Vertrautheit geht, sondern um Übersteuerung: um Figuren, die zu laut lachen, zu groß gucken, zu grell auftreten – und dadurch eine eigentümliche Spannung erzeugen. Diese Cuties sind keine stillen Sympathieträger, sondern etwas schrille Bildwesen, die sich zwischen Pop-Ikone und visuellem Alarmzustand bewegen.
Die Motive wirken wie aus einem Cartoon-Universum entlaufen, aber sie sind nicht glatt, nicht sauber und nicht digital perfektioniert. Stattdessen werden sie durch die Malerei aufgeraut, verzerrt, überschrieben. Farben prallen aufeinander, Konturen schwanken, Flächen geraten in Bewegung. Die Figuren erscheinen wie Masken: freundlich und gleichzeitig unheimlich, einladend und doch schwer zu greifen. Das Lächeln ist da – aber es ist zu breit, zu offen, zu viel.
Gerade diese Überzeichnung macht sichtbar, wie stark die Bildsprache des „Cute“ in unserer Gegenwart funktioniert: als schnelle emotionale Abkürzung, als Versprechen von Harmlosigkeit, als visuelle Ware. Doch in diesen Arbeiten wird das Niedliche nicht bestätigt, sondern überdreht, bis es seine eigene Oberfläche sprengt. Die Cuties werden zu Störungen, zu Figuren mit zu viel Energie, zu viel Ausdruck, zu viel Präsenz – als würden sie sich gegen ihre Rolle als konsumierbares Motiv wehren.
So entsteht ein Bildraum, in dem sich Humor und Aggression, Spiel und Kontrollverlust, Leichtigkeit und Überforderung überlagern. Die Cartoonwelt wird nicht als Fluchtort gezeigt, sondern als Bühne, auf der das Vertraute plötzlich fremd wirkt – und das Lustige eine dunklere, unruhige Seite bekommt.
Diese „Cuties“ sind nicht nur süß – sie sind wild, aufgedreht und unberechenbar. Sie halten die Spannung zwischen Nähe und Abwehr offen und machen aus der scheinbar harmlosen Cartoonästhetik ein Feld, in dem Malerei wieder Widerstand, Reibung und Intensität erzeugen kann.