Unter dem Titel „Cuties“ entstehen in dieser neuen Werkserie Gemälde, die sich einer Bildsprache bedienen, die aus der heutigen Alltags- und Massenkultur kaum wegzudenken ist: Cartoons, Figurenwelten, „Cute“-Ästhetik. Große Augen, vereinfachte Formen und klare Konturen rufen unmittelbar Vertrautheit hervor – als wären die Motive bereits Teil eines kollektiven Bildgedächtnisses.
Doch diese Nähe bleibt nicht ungebrochen. Die Figuren wirken niedlich und zugänglich, zugleich aber auch übersteigert, eigenwillig und leicht irritierend. Die Malerei zeigt sich dabei bewusst als Malerei – mit sichtbaren Pinselspuren, Überlagerungen, Brüchen und Unschärfen. Das Glatte, Perfekt-Reproduzierbare der Cartoonwelt wird hier nicht nachgeahmt, sondern unterlaufen.
So entwickelt „Cuties“ eine doppelte Bewegung: Einerseits arbeite ich mit der Kraft einfacher, ikonischer Formen und mit der unmittelbaren emotionalen Ansprache des Niedlichen. Andererseits intendiere ich eine kritische Distanz gegenüber der Allgegenwart solcher Bilder, die in der Massenkultur als schnell konsumierbare Oberfläche funktionieren. Das Niedliche wird vielleicht zum Köder – und kippt im nächsten Moment in etwas Rohes, Unfertiges, Widerständiges.
„Cuties“ sind damit nicht nur Bildfiguren, sondern auch kleine Störungen im Gewohnten: kurze Begegnungen, die zwischen Humor und Skepsis, Pop und Malerei, Vertrautheit und Fremdheit oszillieren.
Cutie-Party, 2026, Marker-Zeichnung, 42 x 60 cm
Diese Markerzeichnung aus der Serie „Cuties“ wirkt auf den ersten Blick verspielt und übermütig, entfaltet jedoch bei näherem Hinsehen eine vielschichtige Bildwelt zwischen Verspieltheit, Popästhetik und surrealer Fragmentierung.
Im Zentrum stehen mehrere cartoonartige Wesen mit übergroßen, glänzenden Augen – ein typisches Merkmal der „Cuties“. Ihre Körper erscheinen zusammengesetzt, verdreht oder ineinander verschoben, sodass sie zugleich niedlich und leicht grotesk wirken. Diese Ambivalenz gehört zum Kern der Serie: Das scheinbar Süße trägt immer auch eine Spur von Irritation oder Übertreibung in sich.
Der Hintergrund ist in kräftige, voneinander abgegrenzte Farbflächen unterteilt – Rot, Violett, Gold, Blau und weitere Töne bilden eine mosaikartige Bühne. Sterne, geometrische Segmente und ornamentale Strukturen verleihen dem Raum eine fast kosmische oder traumartige Atmosphäre. Dadurch wirken die Figuren wie Wesen eines imaginären Universums.
Die spontane Linienführung der schwarzen Konturen und die sichtbaren Markerstriche betonen den unmittelbaren, gestischen Charakter der Arbeit. Nichts wirkt vollständig geglättet oder perfektioniert – gerade diese Direktheit verleiht der Zeichnung Energie und Lebendigkeit. Die Formen überlagern sich, Figuren verschmelzen teilweise mit dem Hintergrund, sodass ein lebendiges Geflecht aus Farbe, Linie und Bewegung entsteht – ein Ort, an dem Fantasie, Humor und visuelle Übertreibung bewusst miteinander kollidieren und koagieren.