Die großformatigen Gemälde der Serie „Göttliche Schönheit“ entwickeln eine neue Bildwelt, in der sich die großen Mythen der europäischen Kultur begegnen und gegenseitig verwandeln. Apoll und Venus stehen neben Christus und der Pietà, Diana begegnet der Passion, antike Götter treten in einen Dialog mit christlicher Spiritualität. Was sich hier zeigt, ist keine Vermischung aus Beliebigkeit, sondern die Suche nach einem gemeinsamen Ursprung des Göttlichen.
Dabei wird das Göttliche nicht nur als Gegenstand einer Religion verstanden. Es erscheint als kulturelles Urbild, das sich in unterschiedlichen historischen Formen manifestiert. Die antike Mythologie und das Christentum werden nicht gegeneinander ausgespielt, sondern als verschiedene Ausdrucksweisen desselben menschlichen Bedürfnisses nach Schönheit, Erlösung, Opfer, Liebe und Transzendenz begriffen.
In dieser Perspektive verliert die Trennung zwischen dem Heidnischen und dem Christlichen ihre Selbstverständlichkeit. Apoll verkörpert nicht nur den Gott des Lichts, sondern die Schönheit der Form. Venus steht nicht nur für erotische Anziehung, sondern für die schöpferische Kraft des Lebens. Diana erscheint als Natur und Unabhängigkeit. Christus wiederum ist nicht ausschließlich Erlöser, sondern zugleich leidender Mensch und universales Bild der Hingabe. Alle diese Figuren werden zu kulturellen Zeichen einer umfassenderen geistigen Wirklichkeit.
Die Figuren erscheinen in expressive Farbbewegungen, werden übermalt, fragmentiert und von gestischen Energien durchzogen. Die Malerei macht sichtbar, dass das Göttliche nicht in fertigen Ikonen wohnt, sondern erst im Prozess ihrer Verwandlung entsteht. Das Bild ist kein abgeschlossenes Dogma, sondern ein offener Denkraum.
Diese Bildsprache verbindet das Dionysische mit dem Christlichen, das Klassische mit dem Expressiven, den Mythos mit der Moderne. Die Tradition erscheint nicht als abgeschlossenes Erbe, sondern als lebendiger Vorrat kultureller Zeichen, die immer wieder neue Bedeutungen hervorbringen können. Schönheit wird dadurch zu einer Bewegung zwischen den Kulturen und Zeiten.
Vielleicht existiert keine ausschließlich christliche oder ausschließlich antike Schönheit. Vielleicht gibt es vielmehr göttliche Schönheiten, die allen großen Bildtraditionen vorausliegen. Die Kunst besitzt die Freiheit, diese getrennten Überlieferungen erneut zusammenzuführen.
So entstehen Gemälde, in denen Passion und Mythos, Eros und Erlösung, Licht und Opfer, Körperlichkeit und Spiritualität keine Gegensätze mehr bilden. Sie sind unterschiedliche Erscheinungsformen eines gemeinsamen kulturellen Gedächtnisses. Die Malerei wird zum Ort, an dem diese verlorene Einheit für einen Augenblick wieder erfahrbar wird.