Transfiguration, 2026, Acryl/Collage, 100 x 70 cm

 

 

Die Collage „Transfiguration“ bringt Bildwelten zusammen, die zeitlich, kulturell und semantisch weit auseinanderliegen: archaische Masken, die christliche Bildtradition der Renaissance, Anspielungen auf außereuropäische Kulturen, Cartoon und Pop sowie die materiellen Hinterlassenschaften einer globalen Konsumgesellschaft.

Links oben dominiert eine große expressiv gemalte Maske das Bild. Sie gehört zu den ältesten bekannten Masken, stammt aus Vorderasiens und ist etwa 7000 v. Chr. entstanden. 9000 Jahre trennen dieses Gesicht von den Verpackungen und Konsumresten, die unmittelbar neben ihm erscheinen.

Das eigentliche Zentrum des Bildes bildet die gewaltige Ansammlung von Verpackungen, Plastikfolien, Papieren und anderen weggeworfenen Dingen. Markenaufdrucke und grelle Verpackungsfarben sind noch erkennbar.

 

Umkehrung der Verklärung

 

Die Figur links unten ist Raffaels „Verklärung Christi“ entnommen. Sie zeigt den Apostel Jakobus, der angesichts der überirdischen Erscheinung Christi zurückweicht, um sich gegen das blendende Licht schützen.

In meiner Collage erscheint über dem Apostel kein verklärter Christus, sondern ein Müllberg. Der Himmel wurde zugemüllt.

Damit vollzieht sich eine drastische und ironische Umkehrung der Transformation: Den heutigen Menschen überwältigen nicht mehr die Erscheinungen des Göttlichen, sondern die Überreste der materiellen Überproduktion der eigenen Zivilisation. Das göttliche Wunder hat sich in die Müllwolke verklärt. Diese hat nun auch etwas Unfassbares, Erschreckendes und, im negativen Sinn, etwas Faszinierendes angenommen

Am unteren rechten Bildrand stehen drei etwas traurige Cartoonwesen, deren maskenhafte Gesichter auf Südseemasken zurückgehen. Sie bilden einen Gegenpol zur alten Maske links oben.

Zwischen beiden liegt eine imaginäre Kulturgeschichte der Maske: vom archaischen Kultobjekt über außereuropäische Maskentraditionen und deren Rezeption durch die westliche Moderne bis hin zur globalen Pop- und Cartoonkultur.

Doch die kleinen Wesen wirken keineswegs nur komisch. Ihre aufgerissenen Mäuler und ihre fast identische Gestalt erzeugen eine Mischung aus Niedlichkeit, Bedrohlichkeit und Melancholie und erinnern an meine „Cuties“.

Die Maske verwandelt den Menschen. Der Konsum verwandelt die Ware in Müll. Der Mythos verwandelt Geschichte in kulturelles Gedächtnis.

 

 

Müll der Zeichen

 

Unsere Gegenwart produziert nicht nur eine unüberschaubare Menge materieller Gegenstände. Sie produziert ebenso unaufhörlich Bilder und Zeichen.

Werbung, Kunstgeschichte, Comics, digitale Bilder, religiöse Ikonographien, Fotografien, Markenlogos und kulturelle Zitate zirkulieren gleichzeitig: Exzess der Zeichen.

Meine Collagen übernehmen den Exzess. Sie häufen an, überlagern, zerschneiden, verdecken und konfrontieren. Ihre Oberflächen werden zum Schauplatz konkurrierender Wirklichkeiten.

Collage wird zum Recycling von Bedeutung.

Was seinen ursprünglichen Zusammenhang verloren hat, kann in einen neuen eintreten. Raffael wird nicht zerstört, sondern umgedeutet. Die Südseemaske kehrt im Cartoon wieder. Das archaische Gesicht begegnet dem Pop. Selbst der Müll wird durch seine Aufnahme ins Bild aus seinem Zustand völliger Bedeutungslosigkeit herausgerissen – und in gewisser Weise ästhetisch „geadelt“

 

Apocalypse – not now

 

Die Maske verwandelt den Menschen. Der Konsum verwandelt die Ware in Müll. Der Mythos verwandelt Geschichte in kulturelles Gedächtnis. Und die Collage verwandelt wiederum all diese Fragmente in Bilder.

Deshalb ist meine Kunst weniger die kulturelle Apokalypse, wie immer wieder seit langem angedroht, sondern das Bild einer Kultur, die sich in einem permanenten Prozess von Produktion, Zerstörung, Überlieferung und Wiederverwertung befindet.

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