Bei Fra Angelico ist der Körper nie bloß Träger eines Zeichens, sondern Durchlässigkeit: ein Ort, an dem sich Sichtbares und Unsichtbares berühren, ohne ineinander aufzugehen. Gerade darin unterscheidet sich der „geheimnislose“ Körper vom „mysterientragenden“:
Diese Schwellenhaftigkeit wird nicht dramatisch, sondern asketisch inszeniert: durch reduzierte Gestik, klare Konturen, entleerte Räume, ein Licht, das nicht naturalistisch, sondern ontologisch wirkt – als ob es nicht die Dinge beleuchtet, sondern aus ihnen selbst hervorgeht.
Die von Ihnen angesprochene „Inkorporation des Bildes“ radikalisiert sich hier: Das Bild ist nicht mehr nur Medium, sondern Ereignis der Gegenwart. In der Sprache von Thomas von Aquin könnte man sagen: Es geht nicht um ein signum, das auf etwas Abwesendes verweist, sondern um eine Form von praesentia, die sich im Akt der kontemplativen Wahrnehmung ereignet.
Das heißt:
Die Fresken – etwa im Kloster San Marco – sind nicht zufällig in Mönchszellen angebracht. Sie funktionieren als Kontemplationsoberflächen, die den Betrachter in eine Bewegung hineinziehen:
Hier geschieht das, was man vorsichtig „pikturale Erlösung“ nennen könnte:
Nicht im Sinne einer dogmatischen Heilsvermittlung, sondern als Transformation der Wahrnehmung, in der der Betrachter selbst „durchlässig“ wird für das, was im Bild geschieht.
Diese Erlösung ist leise und unspektakulär:
So könnte man abschließend sagen:
Die Kunst Fra Angelico erlöst das Bild von seiner bloßen Funktion als Repräsentation, indem sie es in einen Raum verwandelt, in dem das Mysterium nicht nur gemeint, sondern erfahren
werden kann – als eine Form von Präsenz, die den Betrachter selbst in eine kontemplative, vielleicht sogar verwandelnde Beziehung hineinzieht.
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